System-Management und Benutzeroberfläche müssen weiter entwickelt werden
Kommentar: Linux hat zwei Baustellen

Auf der Linuxworld in Frankfurt war deutlich zu sehen: Linux hat die Chance, das Betriebssystem der Zukunft in Unternehmen zu sein.

HB FRANKFURT. Eines ist klar – die Unternehmen wollen offene Betriebssysteme, vor allem Linux, als alternative Plattform für ihre strategischen Pläne in der Informationstechnik (IT). Durch seine geringeren Lizenzkosten und seine Anpassungsfähigkeit passt die freie Software gut zum "Geiz-ist-Geil"-Zeitgeist: mehr Leistung bei geringeren Kosten. Um wirklich erfolgreich zu sein, muss Linux aber auf zwei Baustellen weiterentwickelt werden – beim System-Management und an der Benutzerschnittstelle auf dem Bildschirm des Sachbearbeiters.

Die Forderung nach einer Weiterentwicklung der Verwaltbarkeit ist verständlich, denn Linux löst Unix als wichtigste Systemplattform im „Backoffice“ ab. Diese war auf der Linuxworld 2004 in Frankfurt deutlich zu erkennen. In einer Reihe von Vorträgen wurde belegt, dass die Konsolidierungspläne vieler Rechenzentren auf Linux basieren. Dies ist vor allem für die traditionelle Hard- und Softwareschmiede Sun Microsoystems aus dem Silicon Valley als letzte Bastion von Groß-Unix ein böser Schock. Der große Stand in Frankfurt konnte nicht darüber hinweg täuschen, dass Sun letztlich kein klares Linux-Konzept hat. Der Eigner der lange erfolgreichen Unix-Version Solaris ist zum Spagat zwischen der Verteidigung seines Systems und dem Ruf nach Linux gezwungen. Da hilft die Werbung von Sun für seine angeblich neue Benutzeroberfläche „Looking Glass“, bei der eine Reihe junger Männer mit Bildschirmen auf dem Rucksack zu sehen ist, wenig. Das multimedial überfrachtete System war im Silicon Valley schon vor vier Jahren zu sehen und wirkt eher wie eine Spielerei aus Hollywood.

Unix steht auf dem Prüfstand. Der Pinguin wirft keinen Schneeball durch das „Windows“, so nett diese Karikatur ist. Er tritt eher eine Lawine gegen Unix los, wenn es gelingt, Linux in Richtung „Enterprise“ konsequent weiter zu entwickeln. Daran arbeiten immerhin fast alle mit großem Einsatz. So konnte Microsoft mit seinem Angebot der Zusammenarbeit, einer Interoperabilität, getrost auf die Linuxworld gehen. Vom Fachpublikum wurde dies positiv aufgenommen, denn man ist aufeinander angewiesen, will man die Kunden gut bedienen - und nur das bringt den dringend nötigen Umsatz. Trotz aller Bemühungen und Fortschritte beim Thema Desktop-Linux ist Microsoft mit Windows auf absehbare Zeit der dominierende Anbieter auf dieser Ebene. Daran sind sehr viele Anwendungen festgemacht. Ein Linux-Desktop wird in den nächsten zwei bis drei Jahren vor allem bei Anwendungen eine Chance haben, die geschlossene vertikale Strukturen haben - wie etwa eine Hotel-Reservierung oder eine Arztpraxis-Verwaltung.

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