Systeme reagieren auf Emotionen und passen sich dem Alter des Zuhörers an
Neuere Sprachcomputer reden wie Menschen

Spracherkennung macht es möglich: Lukas Podolski – der Jungstar des 1. FC Köln – stellt per Telefonhotline Quizfragen und schäkert mit den anrufenden Fans. Zumindest denken die das: Dabei sitzt der viel beschäftigte Fußballer gar nicht live am Telefon. Computerexperten haben Poldis Texte vorher aufgenommen, und ein Rechner spielt sie passend zu den Fragen der Anrufer ab.

HB DÜSSELDORF. Dass das wirklich gut funktioniert, ist Fortschritten bei der Spracherkennung zu verdanken. Bis vor kurzem hatten Computerprogramme noch Schwierigkeiten damit, aus gesprochener Sprache überhaupt Subjekte und Prädikate herauszufiltern, um den Sinn der Fragen zu erfassen.

Dieser Auftritt des Fußballers im computergesteuerten Gewinnspiel spiegelt einen Trend im Marketing bei Sprachdiensten wieder, sagt Carsten Günther, Sprachforscher bei IBM. Er geht davon aus, dass sich so genannte Corporate Voices durchsetzen. Das sind Stimmen von Promis, die einem Unternehmen zugeordnet werden wie Podolski seinem Heimatverein oder Thomas Gottschalk der Firma Haribo.

Podolski hat beim Gewinnspiel immerhin noch selber komplette Texte in die Maschine gesprochen. Das muss aber gar nicht mehr sein, so Günther. Programme zur Spracherzeugung sind mittlerweile so gut, dass sich Stimmen täuschend ähnlich imitieren lassen. „Damit kann man sogar Dialekte erzeugen“, sagt Günther. Die Programme können emotionale Färbungen annehmen, je nach Ereignis. Beispiel Telefonbanking: Ist das Konto bereits zur Monatsmitte leer, würde das bei einer telefonischen Kontostandsabfrage nicht nur schnöde mitgeteilt, sondern wenigstens mit einem Ton des Bedauerns.

Das Ziel ist klar: Kunden sollen sich von den Computern individuell bedient fühlen. Die persönliche Ansprache werde mit immer ausgefeilteren Methoden perfektioniert, sagt Wolfgang Wahlster, Professor am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Saarbrücken. Alter und Geschlecht der Zielpersonen erkennen die Computerprogramme heute schon sehr zuverlässig.

„Schon nach zwei bis drei Sekunden wissen wir, ob ein Mann oder eine Frau anruft“ sagt der Sprachforscher. „Das kann man bei sich selbst nachprüfen: Wer am Telefon eine koreanische Stimme hört und kein Wort versteht, kann trotzdem sagen, ob ein älterer Herr oder eine junge Frau gesprochen hat.“ Das liege an den Stimmbändern. Im Alter erschlaffe die Stimmmuskulatur, so dass eine Art Vibrato entstehe. Das erkenne auch der Rechner.

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