Taiwan
Die Welt in der Hosentasche

Taiwan ist die Notebook-Schmiede der Welt - doch auf Dauer reicht das nicht. In der Krise setzen die taiwanischen IT-Konzerne auf Kreativität und Innovation - Hersteller wie Aiptek und Optoma wollen zum Beispiel mit Projektoren im Hosentaschenformat die ausländischen Märkte erobern.
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TAIPEH. Alle vier Wochen, am Montagnachmittag, können die Manager der taiwanesischen Aiptek ihrer Phantasie so richtig freien Lauf lassen. "Dann müssen wir alle zum Chef und über neue Produkte nachdenken", erzählt Vize-Präsident Allen Chang lachend. Für viele sind die Ideenschmieden ungewohnt, sagt Chang. "Aber hier liegt die Zukunft für Aiptek."

Der junge Manager lässt seine beiden Kinder daheim stets mit den digitalen Spielereien der Elektronikfirma hantieren. So findet er heraus, was die junge Generation cool findet. Neueste Idee: Ein digitaler Fotorahmen, der sich zum Bilderbuch wandeln kann. Darauf können Eltern online Kinderbücher laden. "Für Familien ist das viel billiger als Bücher", hat Papa Chang seinen Chef in der Montagsrunde überzeugt.

Aiptek-Gründer und Firmenlenker Peter Chen hat die "Montagsrunde" erst vor einiger Zeit eingeführt. Er will sich - wie die gesamte IT-Branche Taiwans - vor allem mit Innovationen gegen die globale Krise stemmen. "Klein, aber fein" - das ist der große Trend, mit dem auf der Elektronik-Insel vor Chinas Küste für bessere Zeiten geplant wird.

Der neue Renner nach Digital- und Videokameras im Hosentaschenformat sind nun Heim-Projektoren, die kleiner sind als eine Handfläche. "Mit diesem Minigerät kann man Filme zuhause wie im Kino auf Großleinwand ansehen", sagt Aiptek-Mann Chang strahlend. Seine beiden Kinder haben den Hoffnungsträger natürlich getestet - mit Mickey-Mouse-Filmen.

Auch beim Rivalen Optoma, der sich seit Jahren auf die Herstellung von Projektoren spezialisiert hat, setzt man inzwischen auf die neuen Hosentaschen-Formate. Gemeinsam mit dem US-Konzern Texas Instruments entwickelte das Unternehmen einen Projektor, der nur 80 Gramm wiegt. "James Bond hätte davon bestimmt immer einen dabei", lautet einer der Marketing-Sprüche aus der Optoma-Zentrale.

Nicht nur junge High-Tech-Fans will man so bei Optoma gewinnen, auch klassische Kunden, die sich bisher mit Tageslichtprojektoren abschleppen - Lehrer, Kursleiter, Professoren. Deshalb werde das Unternehmen auch von den Konjunkturprogrammen weltweit profitieren, sagt Optomas Asienchef Telly Kuo: "Länder wie China investieren viel Geld in Schulen und Universitäten."

Die erst 2001 in Taipeh gegründete Firma ist nach eigenen Angaben die Nummer zwei weltweit auf dem Projektoren-Markt. Auch Optoma sieht große Zukunftschancen für die Mini-Geräte. "Ein Projektor daheim gilt bislang noch als Luxus", sagt Kuo, "nur drei Prozent aller Haushalte besitzen so ein Gerät." Absatzpotenzial für die Mini-Kinos: "Weit mehr als 100 Millionen Stück" - vor allem im nahen Riesenmarkt China.

Im staatlich finanzierten "Institute for Information Industry" (III) in Taipeh versucht man trotz Krise, das Große nicht ganz aus den Augen zu verlieren. Fast jeder Laptop weltweit stamme von einer taiwanischen Firma, heißt es hier stolz. Und Taiwan sei laut Umfragen nach den USA für die IT-Branche noch immer am attraktivsten.

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