Tausende Raubkopien
Kino.to-Gründer legt Geständnis ab

Der Chef von Kino.to hat vor Gericht ein Geständnis abgelegt. Dafür kann er davon ausgehen, dass seine Haftstrafe unter fünf Jahren liegen wird. Der Angeklagte betrieb ein Streaming-Portal mit Tausenden Raubkopien.
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LeipzigDer Gründer und Chef des illegalen Filmportals Kino.to hat vor dem Landgericht Leipzig ein Geständnis abgelegt. Er bedauere die von ihm begangenen Urheberrechtsverletzungen außerordentlich, ließ der 39-Jährige am Mittwoch über seinen Anwalt mitteilen. Das Geständnis war Bestandteil eines Deals, den die Wirtschaftsstrafkammer zur Abkürzung des Verfahrens vorgeschlagen hatte. Demnach soll die Strafe im Falle einer Verurteilung zwischen viereinhalb sowie vier Jahren und zehn Monaten liegen.

Über Kino.to, das bis zu seiner Sperrung durch die Behörden größte deutsche Streaming-Portal, waren rund 135.000 raubkopierte Filme, Serien und Dokus erreichbar. Der Leipziger Fußbodenleger hatte das konspirative Projekt 2008 gestartet. Fünf Mitstreiter wurden bereits verurteilt. Schon in den Jahren vor der Gründung von Kino.to war ihm laut seinem Geständnis aufgegangen, dass man im Internet sehr viel Geld verdienen könne. Er sei den „Verlockungen erlegen“.

Dass die viel propagierte Freiheit des Internets an Grenzen stößt - zum Beispiel die des Urheberrechts - diese Erkenntnis habe er erst nach und nach gewonnen, erklärte der Kino.to-Gründer. Für ein Vorläufer-Projekt von Kino.to war er zu einer Geldstrafe verurteilt worden. „Aus dieser Verurteilung hat er aber nicht das Signal erhalten, dass die Grundidee strafbar war“, erklärte sein Anwalt. Er kritisierte, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen mit der rasanten Entwicklung des Internets einfach nicht Schritt gehalten hätten.

Die Wirtschaftsstrafkammer bezeichnete das vorgelesene Geständnis als „von Reue getragen“. Im Rahmen des Deals akzeptierte der Angeklagte, dass sein noch vorhandenes Millionenvermögen „abgeschöpft“ wird. Zudem muss er eine große Zahl von Handys, Note- und Netbooks sowie andere Computer-Hardware abgeben. Seine Haftstrafe wird er voraussichtlich im offenen Vollzug verbringen können. Die Wirtschaftskammer erklärte, sie würde das befürworten. Das Urteil wird voraussichtlich am Donnerstag nächster Woche (14. Juni) fallen.

Kommentare zu " Tausende Raubkopien: Kino.to-Gründer legt Geständnis ab"

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  • Also da muss ich ja wirklich mal sagen: dieses Geständnis ist einfach eine aalglatte Erpressung!! Denn die liebe gute Film- und Musikindustrie will es einfach nicht lernen!! Und daher geht die Klage von Bitcom gegen die GEMA und andere völlig in Ordnung!!

    Denn die liebe gute FIlmindustrie sollte endlich mal anfangen aufzuwachen und sich an die modernen Internet-Zeiten anzupassen, anstatt uns User hier mit völlig überzogenen Abmahnungen (die Schadenersatzforderungen halte ich für total überzogen und genauso diese angeblichen Anwaltsgebühren) hier zu erpressen!! Es reicht, liebe FIlm- und Musikindustrie!! Wir User haben die Nase von euch gestrichen voll und es gibt längst weitere Wege, wie man trotzdem an die geliebten Files drankommt!! Ohh man...wacht mal auf!!

    Die Technik hat sich längst rasant weiter entwickelt. Denn wenn es wirklich nach dem Willen der Musik- und Filmindustrie ginge, dann müsste man ja so gar die aktuellen Festplatten-Videorecorder verbieten, weil die inzwischen sogar interne Brennlaufwerke eingebaut haben.

    Und wenn man Besitzer einer sogenannten Smart-Card eines privaten TV-Anbieters ist, dann kann man sich die Files trotzdem runterholen und Brennen. OK, dann ist zwar lästige Werbung mit drauf, aber dass lässt sich ruck-zuck mit einem guten Video-Editor abändern, liebe Filmindustrie!! Und die Programme sind nochdazu opensource!!

    Außerdem: durch wen seid ihr eigentlich erst groß geworden, wenn nicht durch uns User, hmmmmm????? Und außerdem: auch wenn es einige kleine File-Sharer gibt (und nichts anderes waren diese Typen von Kino.to und megaupload), verdient ihr trotzdem noch genug Geld. Denn schließlich habe ihr immer noch eure superprotzigen Priovatvillen, euere superteuren Privatjachten, eure superschnellen Privatjets samt Privatpilotcrew....

    Von daher: was soll diese Gejaule auf hohem Niveua, liebe Filmindustrie??? Ihr seid sowas von dummm...ohhmann...Und außerdem: einen Cyberkrieg gegen uns User könnt ihr nur verlieren!!!

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