Technik und Textil
Gespräch mit dem Hosenträger

Manche Entwicklungen brauchen einfach etwas länger, ehe sie sich durchsetzen. Schon vor zweieinhalb Jahren hat der Chipkonzern Infineon gemeinsam mit dem Sportmode-Hersteller O'Neill eine Jacke mit integriertem Mobiltelefon und MP3-Player vorgestellt. Die beiden Unternehmen waren ihrer Zeit voraus, denn erst jetzt - Infineon ist aus dem Geschäft längst ausgestiegen - wird die Elektronik in den Kleidern massentauglich.

MÜNCHEN. "Es geht darum, den Menschen das Leben bequemer zu machen", sagt Markus Strecker, Technikchef des auf Elektronik in der Kleidung spezialisierten Unternehmens Interactive Wear. Die Starnberger haben das Geschäft von Infineon übernommen und entwickeln jetzt für Modeunternehmen die verschiedensten Anwendungen. Den größten Erfolg versprechen sich die Firmen zunächst mit Tastaturen, die sie in Hemden, Jacken und Hosen integrieren.

Damit lassen sich MP 3-Player wie der beliebte I-Pod der Marke Apple bequem bedienen, ohne das Gerät aus der Tasche ziehen zu müssen. Obwohl die Leitungen direkt auf dem Stoff laufen, können die Kleider in der Maschine gewaschen werden. Billig ist das Vergnügen freilich nicht: Die T-Shirts der Trendmarke Urbantool mit aufgenähter Tastatur kommen im Oktober für 119 Euro in die Läden.

Die Elektronik zieht selbst in die Trachtenmode ein. Das Münchner Traditionsunternehmen Lodenfrey hat eine High-tech-Lederhose entwickelt, die das Zeug zum Hit der diesjährigen Wiesn hat: Der Benutzer steckt einfach vor dem Gang aufs Oktoberfest oder in den Biergarten sein Handy in die Hosentasche. Wenn?s dann klingelt, muss er nur noch den Kopfhörer ins Ohr stecken. Dank Mikrofon im Hosenträger kann er sofort sprechen; Handy und Lederhose verbinden sich über Bluetooth.

Damit nicht genug. Die Lederhose enthält auch einen MP-3 Player. Dieser wird über eine Tastatur gesteuert, die ins Leder eingearbeitet ist. Sollte ein Anruf kommen, während Musik läuft, stoppt das Lied automatisch.

An alles haben die Designer von Lodenfrey gedacht, sogar an den schlimmsten Fall, dass Bier über die Hose läuft: Alle Verbindungen sind wasserdicht. "Wir versuchen Tradition mit Elektronik zu verbinden - da steckt viel Geschäftspotenzial drin", sagtGeschäftsführer Klaus Faust.

Dies sieht auch die Modemarke Bogner so. Das Münchener Nobel-Label hat eine Jeansjacke an der Vorderseite mit Solarzellen bestückt. Damit lassen sich kleine, blinkende Lämpchen mit Strom versorgen. Wer nicht in die Disko, sondern auf den Berg will, der hat die Wahl zwischen verschiedenen Rucksäcken und Regenjacken, in die Solarzellen eingearbeitet sind. Die Zellen erzeugen genug Strom, um Navigationsgeräte oder Handys unterwegs damit zu versorgen.

Eine andere Zielgruppe sprechen die Sportfirmen Adidas und Polar an. Sie haben ein System entwickelt, mit dem Dauerläufer ihre körperliche Verfassung permanent überprüfen können und immer genau wissen, wie weit und wie schnell sie gerannt sind. Im Zentrum steht dabei eine Uhr von Polar, die die Daten sammelt, speichert und anzeigt. Die Informationen für den Computer am Handgelenk kommen vom T-Shirt und aus den Schuhen.

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