Technik von Connexion und UTStarcom
Internet-Telefonie über den Wolken

Mit dem Handy über den Wolken zu telefonieren, steht ganz oben auf der Wunschliste vieler Reisender. Bei diesem Thema sind sich Geschäftsreisende wie Teenager einig: Das lästige Handyverbot an Bord von Flugzeugen sollte schon bald der Vergangenheit angehören. Ankündigungen aus der Industrie nähren die Hoffnung, dass dies schon 2006 der Fall sein könnte.

HB MÜNCHEN. So meldete Boeing Mitte Oktober, dass entsprechende Tests abgeschlossen seien. Doch es lohnt sich, den Inhalt der Meldung genau unter die Lupe zu nehmen - von einer Handyerlaubnis während des Fluges auf breiter Basis kann auf absehbare Zeit noch keine Rede sein. Der erste legale Einsatz dürfte auf Langstreckenflügen über den Atlantik und nach Asien angeboten werden.

Um diese Entwicklung voranzutreiben, hat der Geschäftsbereich „Connexion by Boeing“ vor kurzem eine einwöchige Reihe von Demonstrationsflügen in Europa beendet, bei denen den Passagieren der Einsatz von Mobiltelefonen während des Fluges gezeigt wurde. Dazu konnten die Fluggäste an Bord der Testmaschine „Connexion One“, einer Boeing 737-400, neue Möglichkeiten des dort installierten schnellen Internetzugang ausprobieren. Dieser schließt nun im zweiten Jahr nach seiner Einführung nicht nur vier Fernsehkanäle ein, sondern erlaubt auch die roamingfähige Nutzung von Mobiltelefonen. „Wir haben unseren Gästen erlaubt, Telefonate zum Boden zu führen, während wir über internationalen Gewässern flogen, sagte Chris Petersen, Programm-Manager für Telefon-und Netzdienste von Connexion zum Handelsblatt. Über den Hoheitsgebieten einzelner Staaten sei dies derzeit aber noch nicht möglich.

Um die Verbindung zu Mobilfunknetzen herzustellen, arbeitete Connexion bei den Tests mit der kalifornischen Firma UTStarcom mit Sitz in Alameda zusammen. Dabei kam das System MovingMedia 2000 zum Einsatz. Damit konnten Anrufe in und aus GSM-Netzen (Global Standard for Mobile) und CDMA-Netzen (Code-Division Multiple-Access) aufgebaut und abgewickelt werden. GSM wird vor allem in Europa eingesetzt, CDMA in den USA. Die Verbindung zu den Telefonnetzen erfolgt über Satellit. Dabei werden die Daten per Internettechnologie (IP) übertragen.

Connexion will nach eigenen Angaben bereits 2006 Mobiltelefonservices in Verkehrsflugzeugen anbieten. Dazu sollen die bereits an Bord einiger Langstreckenflugzeuge (Airbus 330 und 340 sowie Boeing 747 Jumbo) installierte Breitband-Satellitenverbindung verwendet werden. Diese können Passagiere gegenwärtig auf über 120 Flügen täglich über WiFi-fähige Notebooks nutzen. Der mit dieser Zusatztechnik mögliche Handy-Service soll nun den Fluggesellschaften angeboten werden. Dazu müssten die Serviceanbieter, das sind nicht die Fluglinien, aber noch intensive Gespräche mit den Regulierungsbehörden weltweit führen und gegebenenfalls zusätzliche Verträge abgeschlossen werden. Dabei geht es um die Sendelizenz für das jeweils überflogene Hoheitsgebiet. Letzteres sei der schwierigste Teil der Herausforderung, den Handy-Einsatz während des Fluges zu erlauben, sagte Chris Petersen dem Handelsblatt. Der Service von Connexion ist heute auf Flügen von Lufthansa, SAS, Japan Airlines, ANA, Singapore Airlines, China Airlines, Korean Air, Asiana Airlines und El Al Israel Airlines verfügbar. Darüber hinaus werden Etihad Airways (Arabische Emirate) und Austrian Airlines die Dienstleistung in nächster Zukunft auf ihren Langstreckenflotten einführen.

Damit könnte das Handyverbot in Flugzeugen bald kippen. „Die Strahlung der Handys scheint keine Gefahr für die Bordelektronik darzustellen“, sagte Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty dem Handelsblatt. Dies hätten Tests mit der 25-fachen Sendeleistung bewiesen. Mögliche Störungen durch elektromagnetische Wellen waren bislang das Hauptargument für das Handyverbot an Bord von Flugzeugen oder in Krankenhäusern. Wann und ob es jedoch zu einem breiten Angebot kommt, ist derzeit noch völlig ungewiss. Eine Entwicklung in diese Richtung hängt wohl stark mit der künftigen Unterhaltungselektronik-Ausstattung an Bord von Flugzeugen zusammen. Dies wurde vor kurzem auf dem jährlichen Treffen der Branchenorganisation World Airline Entertainment Association (WAEA) in Hamburg deutlich, bei der sich Vertreter von 72 Fluggesellschaften und 175 Herstellerfirmen aller Bereiche der Kabinenunterhaltung und Bordkommunikation trafen.

Ab 2006 sollen Flugpassagiere in Flugzeugen problemlos mobil telefonieren und im Internet surfen können, so die Versprechungen von Branchenvertretern. Ein solcher Service soll durch die Gründung der OnAir, einem Joint Venture von Airbus und dem auf Flugzeugtechnik spezialisierten Unternehmen SITA, realisiert werden. Für derartige Angebote gibt es derzeit aber noch keine Realisierung. Neben der Frage von Kosten und Betriebserlaubnis durch die Regulierungsbehörden muss auch das Problem der akustischen Störung durch Mitreisende in den engen Kabinen bedacht werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%