Technische Grundlagen und praktischen Anwendung von Voice over IP
Gebrauchsanleitung für die Internet-Telefonie

Nur einstöpseln und lostelefonieren funktioniert beim Internet-Telefon nicht. Ein wenig technisches Verständnis braucht der Nutzer schon. Eine kleine Anleitung.

DÜSSELDORF. Sprache wird bei Voice over IP nicht en bloc über eine vorher geschaltete Leitung geschickt, sondern in vielen kleinen Datenpaketen über das Internet oder hauseigene Netzwerk transportiert. Voice over IP nutzt damit die gleiche Technik wie das World Wide Web oder E-Mail.

Breitbandanschlüsse à la DSL oder Kabelanschluss haben der Internet-Telefonie den Weg geebnet. Denn anders als beim Aufbau von Web-Seiten mit Texten und Bildern ist es bei Sprache aber nicht egal, wann welche Informationen zur Gegenseite gelangen. Kinderkrankheiten von Voice over IP wie unterbrochene Telefonate, verzerrte Stimmen oder eine allgemein schlechte Sprachqualität sind dank der heute möglichen hohen Datenübertragungsraten weitgehend kuriert.

Voice over IP-Kunden können direkt über den Computer telefonieren. Dazu stöpselt der Nutzer einen Kopfhörer und ein Mikrofon an seine Soundkarte, installiert eine spezielle Software und wählt im Internet einen Anbieter, der die Gespräche vermittelt - entweder zu einem anderen Internet-Telefonierer oder ins klassische Telefonnetz.

Die Mehrzahl der Voice over IP-Kunden wird aber weiterhin einfach den Hörer abheben. Dazu muss der Kunde sich ein spezielles Telefon oder einen Adapter zulegen, mit dem er seinen vorhandenen Fernsprecher ans Netz bringen kann. Um die 100 Euro kostet der Einstieg in die vollkommen Telekom-freie Telefonie. Es gibt drei technische Möglichkeiten:

1. Internet- bzw. IP-Telefon:
Das Spezialtelefon ist quasi ein Internet-Rechner für Sprache. Es wird an den vorhandenen DSL-Router bzw. das Kabelmodem angeschlossen, mit dem der Nutzer sonst per Computer ins Internet gelangt. Wenn der DSL-Router nur einen Endgeräte-Anschluss besitzt, wird zusätzlich ein Gerät benötigt, das aus dem einen Anschluss mehrere macht. So können Computer und Telefon gleichzeitig ins Internet gehen.

2. Analoger Telefon Adapter (ATA):
Dank des ATA kann das vorhandene analoge Telefon weiterbenutzt werden. Das Gerät wird zwischen Telefon und DSL-Router bzw. Kabelmodem gesteckt. Wie beim Internet-Telefon gilt aber auch hier: Hat der DSL-Router nur einen Endgeräte-Anschluss, wird ein Zusatzgerät benötigt. Alternativ gibt es ATAs, die mit zwei Buchsen ausgestattet sind – einen für den Computer, einen fürs analoge Telefon.

3.Kombigerät:
Der Berliner Hersteller AVM hat mit der Fritz!-Box Fon ein Gerät auf den Markt gebracht, das DSL-Router und ATA in einem ist. Das analoge Telefon und der Computer können parallel angeschlossen werden.

Alle drei Möglichkeiten haben aber einen Haken gegenüber der herkömmlichen Telefonie: Einfaches Einstöpseln in die Telefonbuchse reicht nicht. Die Geräte müssen auf die Internet-Koordinaten des jeweiligen Voice over IP-Anbieters eingestellt werden. Einige Anbieter liefern allerdings bereits fertig konfigurierte Geräte aus, so dass die fummelige Eingabe von Servern oder Passworten entfällt.

Der Anbieter, der die Gespräche vermittelt, weist dem Kunden eine feste Telefonnummer zu, unter der er aus allen anderen Telefonnetzen zu erreichen ist. Bei vielen Anbietern kann sich der Kunde die Nummer sogar aussuchen. Die Mitnahme der alten Nummer ist im Moment allerdings nicht möglich.

Zu Verwirrungen kann die Vorwahl bei Voice over IP führen. Einige Anbieter halten nur die Vorwahlen für Großstädte vor, andere haben gar nur eine einzige Ortsvorwahl für all ihre Kunden – ganz egal, wo diese wohnen. Das sorgte bereits für Unmut bei der Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation, da an der Vorwahl nicht mehr zu erkennen ist, wo die Gesprächsteilnehmer sitzen. Ganz unschuldig an der Verwirrung ist die Behörde allerdings nicht. Denn mit der 0700 steht schon seit längerem eine ortsungebundene Vorwahl zur Verfügung. Nur waren die Anbieter von Voice over IP nicht darauf festgelegt. In Zukunft sollen allerdings Rufnummern aus allen Ortsnetzen für die Internet-Telefonie reserviert werden.

Was die Regulierungsbehörde als Nachteil wertet, ist für viele Kunden ein großer Vorteil: Sie sind auf der ganzen Welt unter ihrer heimischen Rufnummer zu erreichen. Dazu müssen Sie nur ihren Computer oder ihr Internet-Telefon mit dem Breitband-Netz jenseits der Grenze verbinden. Sobald die Verbindung zum Voice over IP-Anbieter steht, können sie wie im Heimatland telefonieren und selbst angerufen werden.

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