Technologiekonzern
Siemens bleibt Schnurlos-Telefonen treu

Nach dem Verkauf der Handy-Sparte will sich der Technologiekonzern Siemens nicht von seinem Geschäft mit schnurlosen Telefonen trennen.

HB HANNOVER. Auf die Frage, ob es einen Verkauf an Dritte oder an das Management oder eine strategische Partnerschaft geben könnte, antworteten Spartenchef Martin Kinne und Finanzchef Thomas Kresser im Gespräch mit Reuters gleichlautend: "Nein."

Siemens hat das Geschäft in die Tochter Siemens Home and Office Communications Devices (SHD) ausgegliedert. SHD hat einen Jahresumsatz von rund einer Milliarde Euro und arbeitet profitabel. In der Tochter ist das restliche Siemens-Geschäft mit Telekommunikationsprodukten für Endkunden gebündelt. In der Vergangenheit war spekuliert worden, der Konzern könnte sich im Zuge der Restrukturierung der Telekom-Sparte Com von dem Geschäft trennen.

"Wenn es mir jemand anböte, würde ich es kaufen", sagte Kinne im Reuters-Interview auf der Technologiemesse Cebit. Wie viel die SHD kosten würde oder wie viel sie wert sei, wollte er nicht sagen. Im Allgemeinen gebe es in der Branche keinen Konsolidierungsdruck, und sein Haus betrachte er nicht als Übernahmeziel. "Wir sehen uns mehr als Jäger denn als Opfer", fügte der Spartenchef hinzu.

Seit der Ausgliederung aus der schlingernden Com-Sparte im vergangenen Herbst entwickele sich SHD "sehr gut". Es sei allerdings noch zu früh, um abzuschätzen, wie die größere Unabhängigkeit die Umsätze oder Gewinne beeinflusse, sagte Kinne. Finanzchef Kresser erklärte, möglicherweise werde SHD die Vertriebskosten um 15 bis 20 Prozent senken können, weil das Unternehmen durch die losere Bindung an Siemens flexibler sei. "Wir brauchen zum Beispiel kein IT-System, das Atomkraftwerke unterstützt", sagte er mit Blick auf die breite Aufstellung Siemens' als Industriekongomerat.

SHD kündigte an, mit dem US-Internetdienstleister Yahoo im Bereich der Internet-Telefonie zusammenzuarbeiten. In Zukunft könnten Nutzer des Yahoo Messengers untereinander kostenlos telefonieren und dafür ein normales schnurloses Gigaset-Telefon von Siemens verwenden. Ein Adapter ersetze die Verbindung mit dem PC. Das Angebot werde ab dem dritten Quartal 2006 verfügbar sein.

Siemens wolle das so genannte Voice-over-IP (VoIP) vereinfachen und mehr aus dem Potenzial machen, das Kinnes Worten zufolge noch weitgehend unausgeschöpft sei, weil die Technik bisher zu kompliziert und umständlich sei. "Ehrlich, wer hat VoIP zu Hause? Wer benutzt es jeden Tag? Man muss wissen, wer in seiner Buddy-Gruppe ist, man muss wissen wer online ist, man braucht einen PC", sagte er. In Zukunft peile er an, ein Fünftel des SHD-Umsatzes mit schnurlosen VoIP-Produkten zu machen.

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