IT + Internet
Telekom-Chef Ricke stößt Kleinanleger vor den Kopf

Auf die Deutsche Telekom sind wieder einmal viele Kleinanleger schlecht zu sprechen. Diesmal geht es nicht um den Kursabsturz bei der T-Aktie oder eine fehlende Gewinnausschüttung. Diesmal betrifft es die Internet-Tochter T-Online.

dpa BONN. Auf die Deutsche Telekom sind wieder einmal viele Kleinanleger schlecht zu sprechen. Diesmal geht es nicht um den Kursabsturz bei der T-Aktie oder eine fehlende Gewinnausschüttung. Diesmal betrifft es die Internet-Tochter T-Online.

Der magentarote Riese will das Darmstädter Unternehmen wieder ganz für sich allein haben und deshalb alle übrigen T-Online-Aktionäre vor die Tür setzen - und zwar zum aktuellen Kursniveau der Papiere. Mit dieser Ankündigung zog sich Telekom-Konzernchef Kai-Uwe Ricke jetzt die geballte Kritik der Aktionärsschützer zu. Von Schaden für die Aktienkultur ist die Rede.

Rickes Ankündigung ist vor allem für die ersten T-Online-Aktionäre eine bittere Pille. „Wer noch von den T-Online-Aktionären der ersten Stunde dabei ist, wird letztendlich bestraft“, meint Markus Straub, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Die Pläne des Konzerns, nach denen den T-Online-Aktionären ein Aktientausch in Telekom-Aktien oder 8,99 Euro je T-Online-Aktie in bar angeboten werden, laufen in den Augen treuer Kleinanleger auf einen Zwangsverkauf hinaus. Erstzeichner hatten im Frühjahr 2000 noch 27 Euro je Aktie bezahlt, also drei Mal mehr als der aktuelle Kurs.

„Diese Offerte ist absolut inakzeptabel“, unterstreicht Ulrich Hocker, der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), in Düsseldorf. Der Börsenexperte Wolfgang Gerke sieht das ähnlich kritisch. „Für viele Aktionäre entsteht der Eindruck, dass sie die Talsohle mitdurchschreiten mussten, der Weg nach oben ihnen aber verwehrt wird.“ Das sagte der Inhaber des Lehrstuhls für Bank- und Börsenwesen an der Universität Erlangen-Nürnberg in einem Zeitungsinterview. Gerke forderte darin einen Aufschlag auf den aktuellen Börsenkurs von mindestens 20 Prozent.

Ricke, der seit fast zwei Jahren an der Konzernspitze steht, bläst der Wind damit erstmals von der Kleinaktionärsfront heftig ins Gesicht. Rekordverlust und Dividendenausfall bei der Telekom wurden noch dem früheren Telekom-Chef Ron Sommer und Übergangsvorsitzenden Helmut Sihler angekreidet. Den T-Online-Aktionären will Ricke den Tausch in T-Aktien schmackhaft machen. Sie würden damit künftig von drei Wachstumsfeldern Breitband/Festnetz, Geschäftskunden, Mobilfunk profitieren und nicht nur vom Internet, argumentiert er. Zugleich beschwichtigt Ricke die noch größere Schar der T-Aktionäre: An der angekündigten „attraktiven Dividende“ für das Geschäftsjahr 2004, die im kommenden Jahr fließen soll, halte die Telekom fest.

Der angekündigte Börsenrückzug von T-Online nach nur viereinhalb Jahren ist nach Darstellung Rickes ein zentraler Baustein der neuen Konzernstruktur und deshalb unumgänglich. Mit der geplanten Zusammenlegung der Festnetzsparte T-Com und der Internet-Tochter zur neuen Geschäftseinheit Breitband/Festnetz soll es künftig keine interne Konkurrenz und Reibungsverluste mehr geben. Nach Angaben von Branchenkennern kamen sich die beiden Sparten bislang beim Online-Musikvertrieb und Aufbau von drahtlosen Wlan-Netzen ins Gehege. Mit der neuen Struktur würden künftig Mill. von Telekom-Kunden kombinierte Produkte aus einem Guss und einer Hand angeboten, hieß es.

Bei den Branchenbeobachter der Banken stieß Rickes Konzept auf einhellige Zustimmung. Nach Einschätzung von Goldman-Sachs-Analyst James Golob wird sich der Erwerb der ausstehenden 26 Prozent von T-Online vom ersten Jahr an positiv auf das Telekom-Ergebnis auswirken. „Für die Telekom ist der Kauf sehr, sehr positiv. Wenn er durchgeht, dann haben sie viel Geld gespart“, meinte ein anderer Analyst. Davon würden auch die T-Aktionäre profitieren. Weniger gut sei das Geschäft aber für die Aktionäre von T-Online. Nach dieser Sicht müssten etwa 1,5 Mill. T-Online-Aktionäre zunächst in den sauren Apfel beißen, damit dann viele Mill. T-Aktionäre möglicherweise süße Früchte ernten könnten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%