Telekom eröffnet in Berlin eine voll vernetzte Immobilie
Big-Brother-Haus für Technikverliebte

Die Sache klingt ziemlich verlockend: 240 Quadratmeter in zentraler Lage, großzügiger Wohn-Essbereich mit Galerie, Balkon, Schlafzimmer, zwei Kinderzimmer, drei Bäder, modern eingerichtet, helle Einbauküche, grauer Fliesenboden - so oder so ähnlich könnte die Anzeige lauten, mit der die Deutsche Telekom Mieter für ihre neueste Immobilie sucht: ein voll vernetztes Haus im Herzen von Berlin, in dem die Bewohner die Kommunikationstechnik der Zukunft im Alltag ausprobieren können.

HB DÜSSELDORF. "Man muss dafür kein Technik-Freak sein", sagte Achim Berg, Marketing- und Vertriebsvorstand der Telekom-Festnetzsparte T-Com, am Dienstag bei der Eröffnung des Hauses. "Es ging uns nicht darum, alles in das Haus einzubauen, was technisch möglich ist, sondern nur das, was nützlich und vor allem leicht zu bedienen ist."

Etwas Technikverliebtheit und Sinn für Spielereien sollte man dennoch mitbringen. Herzstück des Zukunftshauses ist ein Computerbildschirm mit druckempfindlicher Oberfläche von der Größe einer Pinnwand - "Family White Board" heißt das im Telekom-Jargon. Damit lassen sich alle elektrischen Geräte im Haus steuern, Jalousien hoch- und runterfahren, die Heizung einstellen, der Backofen einschalten. Abfahrtszeiten von Bus und Bahn liefert das Gerät ebenso wie das Berliner Kulturprogramm und Wetterinformationen. Es nimmt Nachrichten auf von Besuchern, die in Abwesenheit des Hausherrn kommen und leitet sie aufs Mobiltelefon weiter .

Wer im Telekom-Haus in Berlin lebt, hat es aber eigentlich gar nicht mehr nötig, seine Wohnung zu verlassen: Sprachkurse von der Volkshochschule kann er sich live aufs heimische Fernsehgerät übertragen lassen und vom Wohnzimmersofa aus mitmachen. Das selbe gilt für Yoga- oder Tanzkurse. Im ersten Stock gibt es zudem ein Laufband mit einem TV-Bildschirm davor, über den Bilder aus dem Stadtwald flimmern die das Gefühl vermitteln sollen, man jogge gerade in freier Natur.

Schon seit Jahren reden Techniker vom vernetzten Haus, in dem die Bewohner sich per Mobiltelefonanruf Badewasser einlassen und den Kaffee aufbrühen. Die Sache hat nur einen Haken: Bislang interessieren sich nur ganz wenige dafür. Zwar sprechen Branchenexperten davon, dass sich die Zahl der "vernetzten Haushalte" in Deutschland zwischen 2002 und 2003 auf 2,2 Prozent verdreifacht hat. Aber solche Zahlen sagen nicht viel aus. Gilt doch schon ein Haus als vernetzt, das nur den Zählerstand der Heizung elektronisch weitergibt.

Die Telekom will das ändern, mehr Technik in die Haushalte bringen und sich neue Umsatzquellen erschließen. So soll Ende des Jahres das "Family White Board" auf den Markt kommen. Bis dahin kann man die Neuerung nur in Berlin testen, wenn man ein verlängertes Wochenende zum Probewohnen bei der Telekom gewinnt. Gemeinsam mit dem Fertighausbauer Weber-Haus, dem Technikkonzern Siemens und dem Versandhändler Neckermann hat die Telekom das weiße Haus in der Nähe vom Potsdamer Platz in Berlin aufgebaut und eingerichtet. Der Aufwand sei daher "überschaubar", sagte Berg. Etwa eine halbe Million habe das Projekt gekostet, heißt es im Umfeld der Telekom.

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