Telekommunikation
Analyse: Telekom im Inland an Wachstumsgrenzen

Für Kai-Uwe Ricke ist die Einsicht bitter, aber nicht mehr zu leugnen: „Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass der Konzern im Inland nicht mehr wächst“.

dpa BONN. Für Kai-Uwe Ricke ist die Einsicht bitter, aber nicht mehr zu leugnen: „Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass der Konzern im Inland nicht mehr wächst“.

Der Vorstandschef der Deutschen Telekom steht derzeit vor den größten Herausforderungen in seiner knapp vierjährigen Amtszeit. In Deutschland ist die Telekom an ihre Wachstumsgrenzen gestoßen und muss nun auf das Auslandsgeschäft setzen. Dennoch will er mit milliardenschweren Werbeausgaben um jeden Kunden kämpfen.

Ein Blick auf die Festnetzsparte verrät, in welcher Bredouille die Telekom steckt. In der ersten Jahreshälfte 2006 sind der T-Com nahezu eine Million Kunden davon gelaufen und entsprechende Umsätze weggebrochen. Aber auch beim Mobilfunk und bei den Geschäftskunden auf dem Heimatmarkt laufen die Geschäfte nicht mehr so rund wie früher.

Eine Gewinnwarnung war die logische Folge. Wegen der dramatischen Veränderung des Wettbewerbsumfeldes und des enormen Preisdrucks hätten frühzeitig Anpassungen vorgenommen werden müssen, begründete Ricke den Schritt. Doch für die Aktienmärkte sind Gewinnwarnungen Gift: Die T-Aktie brach ein und notierte am Donnerstag zeitweise mehr als zehn Prozent im Minus. Inzwischen ist das Papier mit rund 11 Euro weit von seinem Ausgabepreis aus dem Jahr 1996 entfernt.

„Die Geschäftszahlen sind für mich eine einzige Enttäuschung“, sagt Hans-Richard Schmitz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Der hohe Kostenblock, auf dem die Telekom im Inland sitze, sei derzeit das Hauptproblem, meint er. Und ein Unternehmenskenner sekundiert: „Mit der neuen Prognose hat Ricke sich der Realität angepasst. Die Bäume auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt wachsen nicht mehr in den Himmel“.

Doch der Telekom-Chef gibt nicht so schnell auf. Die paradiesischen Zeiten für die Wettbewerber seien vorbei, macht er sich Mut: „Wir werden gewinnen“. Zur rigorosen Strategie der Verteidigung der Marktanteile sieht Ricke keine Alternative. Schließlich geht es darum, den Konzern vor dem Ausbluten im Festnetzgeschäft zu bewahren. Sein Rezept: Preissenkungen und klare Preisstrukturen mit Pauschaltarifen und Bündelangeboten wie auch eine striktere Kostendisziplin und Straffung der Investitionen.

Und wenn das Inland schwächelt, muss das Ausland die Scharte auswetzen: Wachstumstreiber des rosa Riesen bleibt nämlich weiterhin die US-Mobilfunktochter T-Mobile mit zweistelligen Zuwachsraten. Allerdings steht die frühere Voicestream vor milliardenschweren Ausgaben, um den Anschluss an die Branchenführer nicht zu verlieren. Derzeit verfügt der viertgrößte Anbieter der USA über deutlich weniger Frequenzen als die Konkurrenz. Bei der am Mittwoch gestarteten elektronischen Auktion neuer Frequenzen trat die Telekom daher als einer der aggressivsten Bieter auf.

Um die für viel Geld eingekaufte US-Tochter aufzupäppeln, muss Ricke tief in die Tasche greifen: Bis zu zehn Mrd. Euro muss er für den Erwerb der Frequenzen und den Ausbau des Netzes aufbringen, schätzen Analysten. Die Ausgaben würde damit das konzernweite Investitionsbudget für 2006 übersteigen.

Die Auktion in den USA ist die größte ihrer Art seit fünf Jahren. Insgesamt nehmen 168 Bietergruppen an dem Verkaufsprozess für die insgesamt 1 122 Frequenzen teil. Neben den führenden Handy-Anbietern Cingular Wireless und Verizon bieten eine Reihe von Kabelgesellschaften mit. Die amerikanische Regierung verspricht sich von dem Verkauf Einnahmen zwischen zehn und 15 Mrd. Dollar. Die UMTS-Auktion vor sechs Jahren in Deutschland hatte mehr als 50 Mrd. Euro in die Kassen des Bundes gespült.

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