Telekommunikation
Apple entwickelt eigenen Online-Kartendienst

Der digitale Kampf der Branchenriesen Google und Apple geht in eine neue Runde: Nachdem Google ein eigenes Betriebssystem für Smartphones auf den Markt gebracht hat, schlagen die Erfinder des iPhones nun zurück. Apple will einen eigenen Kartendienst entwickeln - und damit Google Maps Konkurrenz machen.

DÜSSELDORF. Apple entwickelt US-Medienberichten zufolge einen eigenen Kartendienst als Konkurrenz- und Ersatzprodukt für Google Maps. Letzteres ist bislang ein zentraler Bestandteil des Apple-Smartphones iPhone. Anfang Juli habe Apple ein Softwareunternehmen aus Los Angeles namens Placebase übernommen, heißt es in den Berichten weiter. Apple erklärte auf Anfrage, dass man Marktgerüchte grundsätzlich nicht kommentiere. Der Gründer von Placebase, Jaron Waldman, sei allerdings bereits in Apples "Geo Team" aufgerückt, berichtet der Internet-Dienst Computerworld.com.

Damit verschärft sich die Konkurrenz zwischen den beiden großen Unternehmen aus dem Silicon Valley. Ihr Verhältnis hat sich in der zurückliegenden Zeit spürbar verschlechtert: Google begann im vergangenen Jahr damit, ein eigenes Betriebssystem für Smartphones ("Android") zu entwickeln. Später wies Apple eine Software Googles für das iPhone ("Google Voice") zurück. Google-Chef Eric Schmidt musste das Apple Board verlassen.

Kartendienste wie Google Maps gelten als Basis für eine Vielzahl von Online-Services und E-Commerce-Dienstleistungen. Einem Nutzer, der unterwegs oder Zuhause nach einem Standort sucht oder eine Route plant, kann man anhand dieser Informationen Angebote für Übernachtungen, Restaurants, Einkäufe oder Dienstleitungen vor Ort machen.

Unternehmen wiederum können Werbung gezielt schalten, um Menschen anzusprechen, die sich in einem genau bekannten Umfeld zu einer bestimmten Zeit aufhalten. Verknüpfungen mit Sozialen Netzwerken helfen zudem, Kontaktnetzwerke zu pflegen. Freunde sehen, wer aus ihrer Gruppe in der Nähe ist. Wer solche Dienste auf PC oder Handy beherrscht, bestimmt das Spiel und die Regeln. Größte Konkurrenten von Google auf dem Gebiet der Kartendienste sind Microsoft ("Bing Maps") und Nokia mit seinem bis zum vollständigen Auto-Navigationssystem für Smartphones ausgebauten Kartendienst "Ovi Maps".

Brisanz bekommt die Apple-Übernahme vor dem Hintergrund der noch andauernden Untersuchungen mehrerer US-Behörden über die Verbannung der Telefonsoftware Google Voice aus dem iPhone-Shop "AppStore". Google hatte Mitte August in einem Schreiben an die Telekom-Behörde FTC berichtet, dass nicht nur Google Voice, sondern auch "Google Lattitude" - eine verbesserte Version von Maps - abgelehnt worden sei. Die Begründung: Lattitude hätte das Potenzial, das vorinstallierte Maps zu ersetzen und die Nutzer zu verwirren. Würde Apple Google Maps durch ein eigenes Programm ersetzen, könnte das die Stimmung zu Ungunsten Apples kippen lassen - dem Konzern wird bereits Missbrauch von Marktmacht vorgeworfen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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