Telekommunikation
Bei Benq-Beschäftigten wächst die Wut

Die Beschäftigten des insolventen Handy-Herstellers Benq Mobile fühlen sich allein gelassen. Die Nervosität steigt und mit ihr wandelt sich die Stimmung.

dpa MüNCHEN. Die Beschäftigten des insolventen Handy-Herstellers Benq Mobile fühlen sich allein gelassen. Die Nervosität steigt und mit ihr wandelt sich die Stimmung. Waren es bislang vor allem Enttäuschung und Angst um den Arbeitsplatz, so spüren viele Mitarbeiter spätestens seit der Mitarbeiterversammlung am Donnerstag vor allem Wut.

„Es ist einfach eine Schweinerei“, sagt eine junge Frau nach der Veranstaltung mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Martin Prager und Vertretern der Agentur für Arbeit. Prager habe sich nur wenig Zeit für die Sorgen der Beschäftigten genommen. „Die wichtigen Fragen wurden überhaupt nicht angesprochen“, kritisiert auch ein 40-jähriger Mitarbeiter aus dem Kundenproduktmanagement. „Da drin war eine richtig aggressive Stimmung.“

Auch den von Siemens eingerichteten Härtefonds für die betroffenen Benq-Mobile-Mitarbeiter sehen viele nur als schwachen Trost. Am Donnerstag konkretisierte der Elektrokonzern sein Angebot nochmals: Der Fonds mit 35 Mill. Euro stehe ab sofort zur Verfügung. 25 Mill. davon sollten für Qualifizierung, Weiterbildung und Vermittlung genutzt werden, mit den übrigen zehn Mill. Euro wolle man „die Notlage von Härtefällen abmildern“. Doch die Beschäftigten wollen sich darauf nicht verlassen: „Wir sind auf uns selbst angewiesen“, sagt ein 42-jähriger Mitarbeiter der Abteilung Market Research von Benq Mobile. „Ich rechne damit, dass ich im Januar arbeitslos bin. Wir werden wohl erst einmal von Ersparnissen leben. Innerhalb von einem Jahr muss dann entweder ich oder meine Frau einen Vollzeitjob haben“, sagt der Vater zweier Schulkinder.

Auch viele der anderen Beschäftigten glauben nicht an die Hilfe ihres ehemaligen Arbeitgebers Siemens. „Die Jobbörse von Siemens ist eine reine PR-Aktion“, sagt ein Mitarbeiter. Fast die Hälfte der ausgeschriebenen Jobs seien Praktikantenstellen. Zudem gebe es eine Liste von Personen, die sich überhaupt nicht bewerben dürften. „Alle Mitarbeiter, die für die Aufrechterhaltung des Unternehmens notwendig sind, wurden gesperrt.“ Die Betriebsratsvorsitzende Susanne Kahlweg macht sich ebenfalls keine großen Hoffnungen, dass die Siemens- Arbeitsvermittlung vielen Beschäftigten weiterhilft. „Das ist alles nur, um die Gesellschaft zu beruhigen, aber nicht für die Mitarbeiter.“ Die hohe Zahl der Praktikantenstellen bestätigt sie: „Die Kollegen witzeln schon, dass sie sich nun an der Uni einschreiben müssen, um als Werkspraktikant bei Siemens weiter zu machen.“

Die Angst um den Arbeitsplatz habe das Klima unter den Beschäftigten in der Münchner Zentrale spürbar verändert, heißt es. „Früher war es hier ruhig und friedlich. Nun gibt es eine große Spannung. Man spürt die Wut“, sagt ein Mitarbeiter und sein Kollege stimmte ihm zu. „Die Stimmung ist gereizt. Die Leute schimpfen.“

Eine Sprecherin des Insolvenzverwalters wirbt unterdessen um Verständnis für die Arbeit Pragers. Bis genaue Details der nötigen Verschlankung des insolventen Handy-Herstellers bekannt gegeben werden könnten, müssten sich die Beschäftigten noch gedulden. „Es war eine Veranstaltung, um die Fragen der Mitarbeiter zu beantworten und sie auf dem Laufenden zu halten.“ Erst ab Ende nächster Woche könne Prager Näheres sagen.

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