Telekommunikation
Branche befürchtet Ende des DSL-Booms

Der Branchenverband VATM rechnet bei einem Verzicht auf eine Regulierung des neuen Glasfasernetzes der Deutschen Telekom mit einer Abschwächung des DSL-Booms.

dpa KöLN/AACHEN. Der Branchenverband Vatm rechnet bei einem Verzicht auf eine Regulierung des Glasfasernetzes der Deutschen Telekom mit einem deutlichen geringeren DSL-Wachstum. In den kommenden vier Jahren würde der Zuwachs von Breitbandanschlüssen in Deutschland um 23 Prozent niedriger ausfallen.

Das teilte der Verband am Dienstagabend in Köln mit. Im Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (Vatm) sind die Konkurrenten der Telekom zusammengeschlossen.

Telekom-Vorstand Walter Raizner bekräftigte unterdessen die Forderung nach einer Befreiung des Glasfasernetzes von der Regulierung. Es werde bereits viel zu viel reguliert, sagte er bei einer Podiumsdiskussion mit EU-Kommissarin Viviane Reding in Aachen. Die Europäische Kommission streitet mit der Bundesregierung über die Regulierung des Hochgeschwindigkeitsnetzes der Telekom. Der Bund will das Vdsl-Netz für eine befristet Zeit von der Aufsicht befreien, was Reding am Mittwoch erneut ablehnte.

Die Telekom lässt sich den Bau des Hochgeschwindigkeitsnetzes drei Mrd. Euro kosten. Bis zur Jahresmitte sollen zehn Großstädte mit dem Vdsl-Netz abgedeckt werden, bis Mitte kommenden Jahres 40 weitere Städte. Die Telekom will mit dem neuen Glasfasernetz die Voraussetzung für so genannte „Triple Play“-Angebote schaffen, also Bündelpakete von Telefonie, Internet und Medieninhalten. Das Unternehmen verspricht sich davon zusätzliche Einnahmen. Angesichts der Mrd.-Investition will sie zunächst „Pioniergewinne“ einstreichen.

Vatm-Präsident Gerd Eickers forderte erneut einen Zugang zu dem Netz der Telekom. Die bisherigen Gespräche mit dem Bonner Konzern ließen den Schluss zu, dass die Telekom dies nicht wolle. Eickers erklärte sich bereit, am Anfang höhere Nutzungsentgelte als bei einem traditionellen Netzwerk zu zahlen. Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke hatte wiederholt öffentlich beteuert, dass die Wettbewerber das Vdsl-Netz nutzen könnten. Zu Details machte er allerdings keine Angaben.

Sollte das Glasfasernetz der Telekom nicht reguliert werden, dann würden bis zum Ende des Jahrzehnts nach Einschätzung des Vatm 20,7 Mill. DSL-Anschlüsse geschaltet. Bei einem „freien Zugang“ für Wettbewerber würden es mit 23 Mill. deutlich mehr sein, sagte Torsten Gerpott von der Universität Duisburg-Essen mit Verweis auf eine selbst erstellte Studie. Ende 2005 nutzten 10,8 Mill. deutsche Haushalte den schnellen Internetzugang. Unangefochtene Marktführerin ist die Telekom mit ihrer Tochter T-Online.

Den Aufbau eines eigenen Glasfasernetzes lehnt Vatm-Präsident Eickers ab. Die Kosten dafür lägen für die Telekom-Konkurrenten bei fünf Mrd. Euro. Eine solche Investition würde sich auch langfristig nicht rechnen, sagte er. Die höheren Kosten, verglichen mit der Telekom, hängen damit zusammen, dass der Bonner Konzern bereits bestehende Rohre nutzen kann, um die Glasfaser-Leitung kostengünstiger zu verlegen.

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