Telekommunikation
Preiskampf auf DSL-Markt treibt Konsolidierung an

Der deutsche Breitbandmarkt ist kräftig in Bewegung: Angelockt durch massive Preissenkungen tauschen viele Verbraucher ihren traditionellen Telefonanschluss gegen einen schnellen Breitbandzugang.

dpa DÜSSELDORF. Um ein Fünftel auf rund 18 Millionen wird die Zahl der DSL-Kunden in diesem Jahr nach Einschätzung von Experten klettern - das einstige Schlusslicht Deutschland hat sich damit zu einem der dynamischsten Märkte Europas entwickelt.

Der Preisdruck auf dem deutschen Breitbandmarkt ist hoch. Im Juli sackten die Preise für Internet-Nutzung laut dem Statistischen Bundesamt um knapp sechs Prozent ab, womit sich der Verfall gegenüber dem vergangenen Jahr beschleunigt hat. Treiber der Entwicklung sind vor allem die Deutsche Telekom und United Internet, die mit kräftigen Preisabschlägen für DSL-Anschlüsse auf Kundenfang gehen. Die Vodafone-Tochter Arcor und Hansenet (Telecom Italia) spüren den Druck: Im abgelaufenen Quartal halbierte sich das Neukundengeschäft.

Die Telekom buhlt zudem mit der Billigmarke Congstar um Kunden. Ausgestattet mit einem Werbebudget im niedrigen zweistelligen Millionenbereich soll die Tochter vor allem wechselwillige Telekom- Nutzer gewinnen und diese damit unter den Fittichen des Bonner Marktführers halten. „Der Preisdruck setzt Unternehmen zunehmend unter Druck“, hat Versatel-Chef Peer Knauer beobachtet. Die sinkenden Margen bildeten den Nährboden für Konsolidierung.

Den harten Wettbewerb um die Gunst der Kunden können nicht alle Unternehmen mitgehen: Anbieter wie Tiscali oder AOL haben sich aus dem DSL-Markt zurückgezogen. Weitere werden folgen, sind sich Experten sicher. „Wenn wir im zweiten Halbjahr 2008 eine Breitbandpenetration von über 50 Prozent oder mehr erreicht haben werden, gelangen wir von einem Wachstumsmarkt in einen Verdrängungsmarkt“, sagt Knauer. Der Konsolidierungsdruck wachse dann. In der Branche wird bereits über einen Verkauf des deutschen DSL-Zuganggeschäfts von Lycos sowie Tele2 spekuliert. Im Fokus steht allerdings die Freenet AG mit ihren 1,2 Mill. Breitbandkunden.

Einige Aktionäre der Büdelsdorfer Gesellschaft drängen auf einen Komplettverkauf oder eine Abspaltung des DSL-Geschäfts. Ihre Begründung: Mit 65 000 neuen DSL-Kunden im ersten Quartal wird Freenet von der Konkurrenz abgehängt, ein Verkauf wäre daher sinnvoll. Vorstandschef Eckhard Spoerr lässt bereits die Optionen von einer Investmentbank prüfen, hält aber nur einen Komplettverkauf nur denkbar. Einen Zwischenstand könnte Spoerr am Mittwoch bei der Vorlage der Halbjahresbilanz geben.

Die Suche nach einem Käufer wird schwer, sagen Experten: Telekom, Vodafone, Telefónica und KPN können nicht, da sie als Mobilfunknetzbetreiber keinen Zwischenhändler von Handy-Verträgen kaufen dürfen. Abgewunken haben United Internet und Debitel, die allenfalls an Teilbereichen Interesse haben. Übrig bleibe Telecom Italia, die allerdings nur am DSL-Geschäft interessiert sein sollten, sagt Frank Rothauge, Analyst bei Sal. Oppenheim. „Wir glauben daher nicht, dass irgendjemand Freenet übernehmen wird.“

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