Telekommunikation
USA sorgen sich um chinesische Spionage

Um vermeintlich nationale Interessen zu schützen, werfen Staatsoberhäupte schon einmal alle Prinzipien des freien Handels über Bord. Das bekam nun der chinesische Konzern Huawei in den USA zu spüren.
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MünchenÜberall auf der Welt fürchten die Regierungen und Unternehmen, ausspioniert zu werden. Besonders oft im Verdacht stehen Chinesen. Und um vermeintlich nationale Interessen zu schützen, werfen Staatsoberhäupte schon einmal alle Prinzipien des freien Handels über Bord. Zuletzt tat dies die amerikanische Regierung mit dem chinesischen Konzern Huawei. Innerhalb weniger Jahre hat es das Unternehmen geschafft, zum zweitgrößten Netzausrüster der Welt aufzusteigen. Das ist umso bemerkenswerter, als die Firma in den USA kaum Aufträge bekommt. Huawei ist zwar ein reines Privatunternehmen, steht in den Vereinigten Staaten jedoch immer wieder unter Spionageverdacht.

Der Grund dafür: Als Netzausrüster bietet der chinesische Großkonzern sicherheitsrelevante Technik wie Router oder Telefonanlagen an. Das Unternehmen selbst beteuert, es gehe ihm nur ums Geschäft. Aus Sicht amerikanischer Politiker spricht jedoch gegen den Konzern, dass sein Gründer ein Ex-Offizier der Volksbefreiungsarmee ist.

Im Frühjahr musste Huawei sogar ein US-Unternehmen wieder verkaufen, das der Konzern erst ein paar Monate vorher erstanden hatte. Die Begründung: die nationale Sicherheit sei in Gefahr. So verärgert war die US-Niederlassung von Huawei daraufhin, dass sie einen offenen Brief an die US-Regierung schrieb. Dabei wies Manager Ken Hu unter anderem darauf hin, dass Huawei mehr als 1 000 Mitarbeiter in den Vereinigten Staaten beschäftigt.

Dass die Amerikaner den Chinesen Steine in den Weg legen, ist wenig verwunderlich. Sie wollen ihre komfortable Position verteidigen. Schließlich dominiert bislang ein US-Unternehmen das Geschäft, der kalifornische High-Tech-Konzern Cisco. Dessen Equipment wird überall auf der Welt eingesetzt – und die Dienste der US-Regierung kennen die Technik nur allzu gut.

Schon 2008 hatte Huawei für den US-Netzausrüster 3Com geboten, die Offerte letztlich aber zurückgezogen. Grund dafür war eine Prüfung der US-Behörden, die herausfinden wollten, ob die Chinesen damit Zugang zu IT-Sicherheitslösungen bekommen, die im amerikanischen Verteidigungsministerium eingesetzt wurden. Heute gehört 3Com zum kalifornischen IT-Konzern Hewlett-Packard.

Die Amerikaner stehen mit ihren Ängsten nicht alleine da. Die indische Regierung hat bereits im Mai vorigen Jahres den Import von Telekomausrüstung aus China untersagt. Neu-Delhi fürchtet, dass die Technik Software beinhaltet, die chinesischen Nachrichtendiensten Zugriff auf Gespräche ermöglicht.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

Kommentare zu " Telekommunikation: USA sorgen sich um chinesische Spionage"

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  • Ich wundere mich über diese scheinheilige Aufregung. Das machen die Amis schon seit Jahr und Tag dass Sie über Ihre Systeme die Welt ausspionieren. Ebenso die Franzosen, die gehen noch einen Schritt weiter. Deren komplexe Waffensysteme sind so verwanzt bzw. mit Programmen versehen, dass die verkauften Rüstungsgüter jederzeit bei Bedarf, wenn es gegen Sie selbst eingesetzt werden soll ausser Gefecht setzen kann! Also meine Herren Redakteure bitte besser recherchieren!!

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