Telekommunikation
Wechsel bei Telecom-Italia

Nach dem Wechsel an der Führungsspitze von Telecom Italia steht die Entscheidung über eine Aufspaltung des Unternehmens und einen möglichen Verkauf der Mobilfunksparte auf der Tagesordnung.

dpa ROM. Nach dem Wechsel an der Führungsspitze von Telecom Italia steht die Entscheidung über eine Aufspaltung des Unternehmens und einen möglichen Verkauf der Mobilfunksparte auf der Tagesordnung.

Der neue Präsident Guido Rossi machte unmittelbar nach seinem Amtsantritt deutlich, dass er die Strategie seines Vorgängers Marco Tronchetti Provera weiter verfolgen werde. Laut italienischen Medien wolle sich der Aufsichtsrat bereits Anfang der Woche mit der Frage der Abspaltung der Mobilfunktochter TIM befassen.

Zugleich gerät Ministerpräsident Romano Prodi wegen seiner Einmischung in das Thema Telecom ins Kreuzfeuer der Kritik: Oppositionschef Silvio Berlusconi forderte eine Parlamentsdebatte über das Thema. Prodi lehnt dies ab. Er hatte sich in den vergangenen Tagen vehement gegen einen möglichen Verkauf von TIM ins Ausland ausgesprochen.

Wie italienische Medien am Sonntag berichteten, wird zunächst mit Spannung erwartet, wie die Finanzmärkte auf den Führungswechsel bei Telecom reagieren. „Besteht die Telecom unter Guido Rossi die Prüfung durch die Märkte?“, fragte die römische Zeitung „La Repubblica“. Die Telecom-Aktie waren am Freitag auf 2,20 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit drei Jahren gefallen. Darauf war Tronchetti Provera am Abend bei einer Sondersitzung des Aufsichtsratsrats zurückgetreten.

Neusten Zahlen zufolge beläuft sich der Schuldenberg von Telecom Italia derzeit auf rund 41 Mrd. Euro. Der Aufsichtsrat habe den Rücktritt Tronchetti Proveras zunächst nicht annehmen wollen, berichtete das staatliche italienische Fernsehen. Erst nachdem dieser deutlich gemacht habe, dass seine Entscheidung unwiderruflich sei, habe das Gremium sich für den ehemaligen Leiter der Börsenaufsicht Rossi ausgesprochen.

Der 75 Jahre alte Unternehmensjurist Rossi, der bereits Ende der 70er Jahre in der Telecom-Führung für die Privatisierung verantwortlich war, gilt in Italien als erfahrener Krisenmanager: Er wurde jüngst vom Skandal-gebeutelten italienischen Fußballverband als Sonderkommissar und „Mann in der Not“ eingesetzt. „Er weiß sehr wohl, dass das Überleben der Telecom auf dem Spiel steht“, kommentierte die Mailänder Zeitung „Corriere della Sera“ am Sonntag. Experten in Rom meinen, durch einen Verkauf von TIM könnte Telecom vor allem den Schuldenberg abtragen.

Die Telecom Italia hatte TIM in den 90er Jahren abgespalten und erst im vergangenen Jahr für 20 Mrd. Euro wieder in den Konzern integriert. Ziel war es, den Kunden kombinierte Mobilfunk- und Festnetzangebote machen zu können. Rossi erklärte nach der Aufsichtsratssitzung seine Absicht, „die eingeschlagene Strategie des Unternehmens“ fortsetzen zu wollen. Italienische Medien hatten jüngst berichtet, Tronchetti Provera habe Prodi versichert, die Kontrolle über das Unternehmen werde in italienischen Händen bleiben.

2005 kaufte der Mutterkonzern die restlichen 44 Prozent an seiner Tochter, die er zuvor noch nicht besaß. Der Plan war, in einem integrierten Unternehmen vom Zusammenwachsen der Telekom- Technologien zu profitieren. Während sich die Hoffnungen auf Einsparungen durch die Verschmelzung erfüllten, blieb der erwartete Umsatzschub aus.

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