Telekommunikation
Zwei Österreicher wollen mit Jajah die Mobilfunk-Branche umkrempeln

Zwei Österreicher mit neuem Wohnsitz im Silicon Valley (USA) wollen der Telekombranche weltweit das Fürchten lehren. Roman Scharf (35) und Daniel Mattes (34) wollen nicht nur bei günstigen Telefonaten im Festnetz mitmischen, sondern auch einen Preisrutsch bei Gesprächen auf dem Handy einleiten.

dpa DüSSELDORF. Zwei Österreicher mit neuem Wohnsitz im Silicon Valley (USA) wollen der Telekombranche weltweit das Fürchten lehren. Roman Scharf (35) und Daniel Mattes (34) wollen nicht nur bei günstigen Telefonaten im Festnetz mitmischen, sondern auch einen Preisrutsch bei Gesprächen auf dem Handy einleiten.

Bis zum Jahresende soll ihr Unternehmen Jajah eine Million Kunden haben. Dazu wollen sie es dem Verbraucher leicht machen: Die sollen ihre alten Telefone, Anschlüsse, Nummern und Verträge behalten und trotzdem mit Jajah bis zu 90 Prozent der Kosten sparen. „Es hat ja keiner etwas gegen sein Handy, nur gegen den Preis, den das Telefonieren kostet“, sagt Scharf. Der Trick ist, dass für die Verbindung Jajah das Handy anruft - und deswegen kaum noch Kosten anfallen.

Vor wenigen Tagen wirbelten die jungen Wiener mit einem „Welthandytarif“ gehörig Staub auf. Für 15 Cent pro Minute können Jajah-Kunden vom Handy in ausländische Festnetze telefonieren. Dafür wird einmalig eine Software aus dem Internet auf das Handy geladen, was allerdings noch nicht bei allen Geräten funktioniert. Binnen drei Tagen gewann Jajah dennoch allein in Deutschland 10 000 Kunden.

Während bei der Internet-Telefonie im Festnetz bereits ein harter Wettbewerb herrscht, ist die Voice-over-IP-Technologie auf dem Handy noch Neuland. Selbst eine Branchengröße wie Skype musste kürzlich eingestehen, dass die seit zwei Jahren verfolgten Mobilfunk-Pläne wegen technischer Schwierigkeiten kaum von der Stelle kommen. Dabei wird dem Markt angesichts der teuren Mobilfunk-Tarife ein großes Potenzial eingeräumt.

Bei Festnetz-Telefonaten über Jajah muss sich der Anrufer zunächst einmalig im Internet registrieren und dann seine und die Ziel-Nummer eingeben. Das eigene Telefon läutet und nach dem Abheben wird die Verbindung aufgebaut - für zwei Cent die Minute bis nach China oder in die USA.

Hinter Scharf und Mattes stehen mächtige und erfolgsverwöhnte Geldgeber: Der milliardenschwere Risikokapitalgeber Sequoia hat zum Beispiel mit Google an einer atemberaubenden Erfolgsstory mitgeschrieben und unter anderem auch bei Yahoo! seine Finger im Spiel.

Jajah ist die erste europäische Firma, in die Sequoia eingestiegen ist, berichtet Scharf stolz. Und so kam es auch, dass sich Scharf und Mattes im Silicon Valley in genau den Büros wiederfanden, in denen die legendären Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page einige Jahre zuvor ihren Welterfolg ausgetüftelt hatten.

Jajah (phon. Dschadscha) stammt aus der Sprache der australischen Ureinwohner und war zunächst nur der Spitzname eines australischen Mitstreiters, bevor er in einem Wiener Kaffeehaus zur Marke des Unternehmens auserkoren wurde. „Dem Mythos nach hieß der Erfinder des "Bullroarers" so - das ist ein altes Kommunikationsinstrument der Aborigines“, erzählt Scharf.

Was das Duo aus Wien sich vorgenommen hat, ist die Verschmelzung der klassischen Telefonie mit dem Internet. Für die „letzte Meile“ zum Kunden soll die alte Infrastruktur genutzt werden. Dazwischen soll Jajah mit Hilfe eines in London stationierten Parks aus Computer-Servern den Preisbrecher spielen.

„Die Leute wollen mit ihrem Telefon telefonieren und nicht mit dem Computer“, sagt Scharf. Gerade in Deutschland seien besonders die Mobiltelefonate noch sehr teuer. In Österreich sei der Minutenpreis selbst im Vergleich zu den deutschen Discountern wie simyo nicht halb so hoch. Derzeit ist Scharf in Europa unterwegs, um Allianzen zu schmieden: Mit Telefon-Herstellern und Mobilfunk-Discountern. „Wir wollen, dass jedes Handy auf der Welt Jajah nutzen kann.“

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