Test von Sonys neuer Hi-Fi-Anlage
Gigajuke verbindet analoge und digitale Welt

Sonys neue Hi-Fi-Anlage Gigajuke arbeitet als digitales Musikarchiv für die private CD- und LP-Sammlung sowie für Radiomitschnitte. Ohne PC – aber nicht immer fehlerfrei, hat Wirtschaftswoche-Redakteur Thomas Kuhn festgestellt. Die Hi-Fi-Anlage des Herstellers Sony kostet 700 Euro.
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Es war eine feste Gewohnheit. Jeden Sonntagabend kurz vor elf saß ich vor der Stereoanlage, das Kassettendeck zur Aufnahme bereit, und wartete auf den Beginn der Radio-Konzertmitschnitte. Ob BAP, Pink Floyd oder Stones: Was über den Sender ging, bannte ich aufs Band. Die Zeiten sind lange vorbei. iPod, MP3-Walkman & Co. haben die Kassetten längst verdrängt. Damit verschwand auch die Möglichkeit, anderes als CDs oder Musik-Down- loads aus dem Web auf die digitalen Taschenspieler zu bannen. Radiokonzerte (die gibt’s noch immer) oder meine LP-Sammlung auf den MP3-Spieler zu kopieren, blieb ein Ding der Unmöglichkeit.

Mit der neuen, 700 Euro teuren, Hi-Fi-Kompaktanlage Gigajuke will Sony das ändern. Die nämlich verbindet analoge und digitale Welten in bisher einmaliger Weise. Dazu integrierten die Sony-Entwickler in dem Gerät ein UKW-Radio, ein CD-Laufwerk, einen Anschluss fürs Kassettendeck oder einen externen Verstärker sowie eine 80-Gigabyte große Festplatte, die Platz bietet für Zehntausende von MP3-Stücken. Die lassen sich, ganz ohne PC, über den USB-Anschluss der Gigajuke auf Sonys Walkman sowie Geräte anderer Hersteller überspielen. iPods bleiben außen vor. Hersteller Apple blockiert den Datentausch mit anderen Programmen als seiner iTunes-Software.

Die digitale Musiksammlung wächst schnell. Kaum landet im Test die erste CD im Laufwerk, beginnt die Gigajuke, umgehend, ihren Speicher aufzufüllen. Dabei kopiert sie nicht nur die Stücke auf ihre Festplatte, sondern versieht sie gleich mit sämtlichen Zusatzinfos - vom Titel des Liedes und der Platte bis zum Interpreten. Das klappt sogar ohne Web-Zugang. Denn Sony hat auf dem Gerät eine Kopie der Gracenote-Online-Datenbank gespeichert. Die kennt alle Details von 350 000 bis Dezember 2006 erschienenen Alben und ordnet sie automatisch den Aufnahmen zu. Im Test funktionierte das nahezu perfekt. Ob Abba oder Zappa - die Jukebox erkannte die bunte Mischung meiner CDs fast komplett. Sogar eine von der Konzernschwester Sony Music mit Kopierschutz versehene Anastacia-CD wandelte die Kompaktanlage ohne Murren in MP3-Dateien um. Nur bei einer Berner Mundart-Band und einer CD mit Kinderliedern musste Gracenote passen. Erst nachdem ich die Gigajuke per Kabel mit meinem DSL-Anschluss verbunden und die Titel noch einmal gesucht hatte, fand die Anlage auch diese CDs im Netz. Mithilfe eines optionalen WLAN-Moduls lässt sich die Musikmaschine sogar schnurlos ans Web koppeln.

Der Online-Anschluss ist Voraussetzung für eine weitere Funktion des Gerätes. Denn die Gigajuke digitalisiert nicht nur CDs. Mittels einer Erkennungssoftware für Musik gleicht sie Rhythmus und Melodie analoger Stücke mit einer Online-Datenbank ab und soll so auch Hits aus dem Radio oder von Schallplatte eindeutig identifizieren. Im Test klappte das allerdings nur eingeschränkt. Zwar erkennt die Anlage leidlich verlässlich (wenn auch erst nach manuellem Feintuning) Pausen oder Sprache zwischen den Titeln und speichert die Stücke als separate MP3-Dateien ab. Die Titelerkennung selbst jedoch arbeitete nur bei etwa jedem dritten Stück korrekt, wie ich etwa bei den Aufnahmen von zwei sonntäglichen Nachtkonzerten feststellte. Die konnte ich zwar danach Dank des Geräts auf meinen MP3-Spieler kopieren - allerdings erst nach umfangreichen Korrekturen bei Musiktiteln und Interpretennamen.

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