Ticketbörsen im Internet
Für Barbara Streisand war nichts zu teuer

Nach dem ersten Jahr ziehen die Zweite-Hand-Tickethändler eine gemischte Bilanz. Die Online-Resterampen lediglich eine sichere Plattform für den Handel mit überzähligen Eintrittskarten im Cyberspace zur Verfügung -und sind damit extrem vom Erfolg des Tourneegeschäfts abhängig.

DÜSSELDORF. Kein anderes Event war den Fans so viel wert wie Barbara Streisand im Waldstadion. Für stolze 1390 Euro wechselte die teuerste Karte auf der Second-Hand-Ticketplattform Viagogo 2007 den Besitzer. Trotzdem: Nach dem ersten Jahr ziehen die Zweite-Hand-Tickethändler eine gemischte Bilanz. Denn ihr Geschäft steht und fällt mit dem Erfolg des Tourneegeschäfts.

Die meisten Karten wurden auf viagogo für das Spiel FC-Bayern gegen VFL Wolfsburg am 24. November gehandelt, als nicht nur Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche und VW-Chef Martin Winterkorn das am Ende glückliche 2:1 der Bayern gegen den VFL miterlebten mussten. Im gut besetzten Allianz-Stadion saßen auch über 3000 Fans mit Tickets, die sie sich in letzter Minute noch über den Onlinemarktplatz beschafft hatten. Unter anderem von verhinderten Dauerkartenbesitzern, die so einen Teil ihrer horrenden Jahresbeiträge wieder einspielen konnten.

Webplattformen wie viagogo.de oder fansale.de vom Großveranstalter CTS-Eventim haben sich darauf spezialisiert, Tickets von privat an privat zu handeln. Dabei stellen die Resterampen für überflüssige Eintrittkarten im Cyberspace lediglich eine sichere Plattform für die Handelsabwicklung dar. Die Geschäfte selber werden nur zwischen Käufer und Verkäufer getätigt. Teilweise übernehmen die Webhändler aber auch Garantien für die Echtheit von Tickets, damit sich Desaster wie das von 2006 nicht wiederholen. Damals wurden über 2500 Depeche-Mode-Fans an den Stadiontoren abgewiesen. Sie waren von Betrügern auf eBay mit gefälschten Karten geleimt worden, die die elektronischen Stadion-Zugangssysteme gnadenlos ausgefiltert hatten. Auf diversen Online-Plattformen gibt es seit Jahren auch immer wieder spektakuläre Betrugsversuche bei Mega-Events wie dem Football-Superevent Superbowl, wo Fans bereit sind, horrende Summen für Tickets - oft gegen Vorkasse - auf den Tisch zu legen.

Mit exakten Zahlen tun sich die digitalen Kartenschieber allerdings noch schwer. „Zehntausende Karten“ im Wert eines „zweistelligen Millionebetrags“ seien über viagogo 2007 gehandelt worden, sagt CEO Eric Baker auf Anfrage und zeigt sich mit der Entwicklung sehr zufrieden. Viagogo sieht sich damit als klarer Marktführer. Die Kunden seien bereit, für einen sicheren Zugang zu Tickets aus zweiter Hand einen Aufpreis zu bezahlen.

Klaus-Peter Schulenberg vom Tourneeveranstalter CTS-Eventim schlägt leisere Töne an: „Die Ergebnisse von fansale.de im ersten Jahr entsprechen nicht unseren Erwartungen“, räumt er ein. Genaue Zahlen will er nicht nennen. Allerdings glaube er „nach wie vor an den langfristigen Erfolg“ von fansale.de und 2008 soll die Seite attraktiver und mit neuen Features ausgestattet werden.

Für Schulenberg hängt die unbefriedigende Entwicklung des Zweitmarkts direkt mit dem gesamten Geschäftsverlauf zusammen. Insgesamt war das Segment Live-Entertainment in den ersten neun Monaten bei CTS mit einem Plus von 23 Prozent auf 230 Mill. Euro „hervorragend“ sagt er, und das traditionell stärkste Quartal des Jahres läuft gerade erst. Aber letztlich habe es nur ein paar restlos überverkaufte Mega-Konzert-Ereignisse - wie Barbara Streisand trotz regulärer Ticketpreis von bis zu 500 Euro - gegeben. Die Masse der Konzerte und Veranstaltungen war doch eher „normal bis gut ausverkauft“.

Bei Preisen bis zu mehreren hundert Euros waren selbst Rolling-Stones-Karten noch lange im Angebot. Und ein Zweitmarkt lebe eben von der Knappheit, sagt Schulenberg. Solange man noch problemlos überall Tickets beziehen könne, gebe es kaum Anreiz auf Online-Seiten zu bieten. Der Online-Verkauf im Erstmarkt gibt dagegen kaum Anlass zum Klagen: in den ersten neun Monaten setzte CTS über 4,3 Mill. Karten über das Web ab.

Viagogo-Chef und Mitgründer des US-Marktführers stubhub.com, Eric Baker, sieht das anders. Er betrachtet solche Großwetterlagen sogar als Chance für die Kunden und verweist darauf, dass eine gute Anzahl Tickets bis zu 50 Prozent unter Originalpreis gehandelt worden sind. Nämlich dann, wenn Käufer Termine einfach nicht wahrnehmen konnten und wenigstens einen Teil ihres Geldes wiederbekommen wollten, obwohl noch Tickets regulär verkauft wurden. „Bei einigen Veranstaltungen wurden die Karten für weniger fünf Euro verkauft“, sagt er.

Und wo gibt es denn so was heute noch? Das sind ja Preise wie zu Zeiten der guten alten D-Mark.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%