Top-Level-Domains: Millionen-Poker um neue Internet-Adressen

Top-Level-Domains
Millionen-Poker um neue Internet-Adressen

Der Adressraum im Internet wird radikal erweitert, hunderte Adress-Endungen kommen hinzu. SAP, Linde und RWE bewerben sich um die neuen Top-Level-Domains, viele andere Dax-Konzerne scheuen die Millionenkosten.
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DüsseldorfWenn Unternehmen passende Internetadressen suchten, wurden sie bislang oft in der Südsee fündig. Fernsehsender nutzen gern das Länderkürzel von Tuvalu (.tv), Radiosender die Adressen der Föderierten Staaten von Mikronesien (.fm) und auch Tonga wird unter .to häufiger im Netz als in der realen Welt angesurft. Doch solche Zweckentfremdung von Ländernamen wird bald überflüssig, denn im kommenden Jahr beginnt die totale Freiheit im Netz.

Hintergrund ist eine radikale Ausweitung des Adressraums: Die für die Regulierung des Datennetzes zuständige Behörde Icann (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers), bei der heute die dreimonatige Bewerbungsfrist beginnt, erlaubt künftig fast jede Endung. Zu den bisher geläufigen Länderkürzeln wie .de für Seiten aus Deutschland, sowie den 21 sogenannten generischen Top-Level-Domains wie .com oder .org, könnten Hunderte neue Endungen dazukommen. Adressen-Endungen wie .berlin, .gmbh oder .shop werden damit bald normal.

Drei Dax-Konzerne wollen sich eigene Adress-Endungen zulegen. „Wir bewerben uns um .sap“, erklärte SAP gegenüber der Wirtschaftswoche. Der Softwarekonzern erhofft sich davon „neue Möglichkeiten im Marketing“. Auch der Essener Energiekonzern RWE und Linde werden sich um eine neue Adress-Endung bemühen. Der Münchner Industriegasehersteller verspricht sich davon unter anderem „eine schnellere Auffindbarkeit in Suchmaschinen, eindeutige Identifizierbarkeit oder die direkte Weiterleitung auf die jeweilige Landesseite“.

Für Unternehmen sind die Top-Level-Domains jedoch nicht billig. Allein als Bewerbungsgebühr verlangt Icann einmalig 185.000 Dollar, dazu kommt hoher juristischer und technischer Aufwand beim Betreiben der Endungen. „Eine Million Euro im ersten Jahr muss man mindestens kalkulieren“, sagt Thorsten Troge, Markenrechtler bei der Anwaltskanzlei TaylorWessing.

Das lässt selbst viele große deutsche Unternehmen zögern: Laut einer Umfrage der WirtschaftsWoche verzichtet mehr als ein Viertel der 30 größten börsennotierten Unternehmen auf eine Bewerbung, „Aufwand und Nutzen stehen in keinem Verhältnis“, heißt es bei Siemens. „Das jetzige System ist etabliert und funktioniert.“ Neben den Münchenern verzichten auch Allianz, BASF, Beiersdorf, K+S, Lufthansa, Metro, Munich Re und Salzgitter auf eine Bewerbung.

„Derzeit ist noch unklar, ob sich die neuen Top-Level-Domains dauerhaft durchsetzen werden“, begründet BASF seinen Verzicht. Die Verunsicherung ist groß, zwei Drittel der Befragten haben sich daher kurz vor dem Start der Bewerbungsphase noch nicht endgültig entschieden oder wollten sich zu den Plänen nicht öffentlich äußern. International haben bislang Canon, Deloitte und Hitachi gesagt, dass sie eine Bewerbung planen.

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