Trotz guter Anfangsverkäufe wird das neue Betriebssystem der Konkurrenz kaum Marktanteile abjagen
Apples Tiger verschont Microsoft

Der US-Computerhersteller Apple ist mit dem Start seines Betriebssystems Tiger in Deutschland zufrieden, kann jedoch nach Meinung von Marktforschern nicht mit wesentlichen Zugewinnen beim Marktanteil rechnen.

DÜSSELDORF. Ein Apple-Sprecher sagte dem Handelsblatt, nach gut einer Woche entspreche der Verkauf den Erwartungen. "Die Rückmeldungen der Händler sind sehr positiv", sagte er. Das Interesse an der neuen Version der Software, die den Betrieb der Apple-PCs überhaupt erst ermöglicht, sei deutlich größer als beim Erstverkauf des Vorgängers vor 18 Monaten. Apple führt das auch auf den Erfolg des tragbaren Musikspielers i-Pod zurück, dessen gutes Image auf andere Apple-Produkte abstrahle.

Analysten rechnen jedoch damit, dass Apple seinen Marktanteil von 2,1 Prozent allenfalls leicht ausbauen kann. Das Geschäft mit Betriebssystemen bliebe damit weiterhin fest in der Hand des Konkurrenten Microsoft. Dabei gerät der Marktführer ins Hintertreffen: Sein aktuelles Windows XP kam schon vor knapp vier Jahren in die Läden.

Tiger, die neueste Version des Apple-Betriebssytems OS X, bietet hingegen etliche Neuerungen (siehe: Der Tiger im PC). "Diese Funktionen sind zwar auch für Unternehmen interessant. Doch wegen einzelner Features werden sie nicht zu Apple wechseln, weil die Kosten für die Umstellung sehr hoch sind", sagte Annette Jump, Analystin beim Marktforscher Gartner in London dem Handelsblatt. Mittelfristig erwarte sie, dass der Marktanteil von Apple auf dem PC-Markt stabil bleibt. Allenfalls im laufenden Quartal sei wegen Tiger mit einem vorübergehenden Anstieg zu rechnen.

Ian Gibbs, Senior Analyst bei IDC in London, hält hingegen einen dauerhaften Zuwachs um ein bis zwei Prozentpunkte in Europa für wahrscheinlich. "Für Apple wäre das eine große Umsatzsteigerung, Microsoft würde den damit verbundenen Rückgang bei Windows jedoch kaum merken", meinte er. Mit neuen Angeboten wie dem einfach ausgestatten PC "Mac mini" sei Apple wie die Konkurrenz erfolgreich in niedrigere Preissegmente vorgestoßen. "Für Privatleute, die bislang über einen Wechsel zu Apple nur nachgedacht haben, könnte Tiger jetzt der letzte Anstoß sein", sagte Gibbs.

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