TV-Doku über Facebook: Im Kreis der Klischees

TV-Doku über Facebook
Im Kreis der Klischees

Die Ankündigung versprach Spannendes: Mit der Dokumentation „Milliarden-Geschäft Freundschaft“ wollten BBC und NDR einen Blick hinter die Kulissen des Internet-Giganten Facebook werfen, Interview mit dem pressescheuen Gründer Mark Zuckerberg inklusive. Das Ergebnis aber enttäuschte.
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DüsseldorfWo ist der „Naja, war ganz okay“-Button? Wirklich Neues hatte die Gemeinschaftsproduktion von NDR und BBC nicht zu bieten. Die ARD hatte im Vorfeld viel versprochen. „Milliarden-Geschäft Freundschaft“, eine Fernseh-Dokumentation der beiden Autorinnen Svea Eckert und Anika Giese, erkläre, wie das Geschäftsmodell des weltweit größten sozialen Netzwerks genau funktioniere. Dazu ein exklusives Interview mit Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, der bisher „selten gefilmt wurde“.

Ein dokumentarisches Highlight am späten Montagabend also? Nicht wirklich. Schon die ersten Minuten ließen erahnen, welche Grundlinie verfolgt werden sollte. „I like what you like. Tell me more than I should know.“ Ich mag es, wenn Du auf den „Gefällt mir“-Button klickst. Sag mir mehr, als ich wissen sollte, hauchte Sängerin Ann im eigens komponierten Titelsong. Eine 17-jährige Schülerin erklärte freimütig, dass sie eigentlich ihr ganzes Leben auf Facebook postet und „dauer-online“ ist. Die Mutter wunderte sich indes, dass die Generation Internet offenbar so ganz anders tickt. Früher sei man ausgegangen und habe miteinander gesprochen. Heute laufe „das alles nur noch über Playstation und Computer“. Und Datenschützer Thilo Weichert empört sich, dass Mark Zuckerberg mit seinem Unternehmen Geld verdienen will.

Irgendwie alles wie gehabt: Die Doku drehte sich über weite Strecken im Kreis der Klischees. Auf der einen Seite die scheinbar naiven Facebook-Jünger, die sich ein Leben ohne Pinnwand nicht mehr vorstellen können; auf der anderen die nimmermüden Kritiker – das hat man in Zeiten von automatischer Gesichtserkennung, Timeline-„Zwang“ und Klagen gegen den „Like“-Button schon (zu) oft gehört. Auch das Interview mit Mark Zuckerberg förderte keine wirklich neuen Aussagen zutage. Kritische Nachfragen zum Datenschutz direkt vor Ort im Silicon Valley wären angebracht gewesen, wurden aber nicht gestellt. Schade.

Alles in allem blieb die Doku auch wegen einiger inhaltlicher Schwächen hinter den Erwartungen zurück: So legen viele Internetseiten einen so genannten Cookie an, mit dem Nutzer zurückverfolgt werden können - nicht nur Facebook. Und Facebook kennt sicher nicht „die Geheimnisse“ seiner Nutzer – denn jeder entscheidet selbst, was er in welchem sozialen Netzwerk von sich preisgibt.

Kritische Stimmen wurden deswegen schon während der Ausstrahlung auf Twitter laut: „Liebe ARD: Was Ihr anklagt, ist nicht das Social Web, sondern mangelnde Medienkompetenz, vor allem in Deutschland“, schrieb @frank_tentler. Und @heiko spottet: „Ich habe Angst vor Datenraub und habe mein Facebook-Profil gelöscht, sagte die Payback-Kundin.“

Auch auf der eigens eingerichteten Facebook-Page zur Doku häufte sich die Kritik. „Leider haben wir in diesem Beitrag nur die Spitze des Eisbergs sehen können. Vieles blieb an der Oberfläche. Schade, bei diesem Thema hätte ich ein wenig mehr Grundlagenrecherche erwartet. Nö! Hierfür gibt es keine gute Note!“ resümiert Christian Brick. Und Uschi Braun fragt: „Wo ist der ‚Naja, war ganz okay‘-Button?“

Tina Halberschmidt, Social-Media-Redakteurin
Tina Halberschmidt
Handelsblatt / Teamleiterin und Redakteurin Social Media

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  • Was haben Sie erwartet ?
    Schon die Kommentare der ARD zu ACTA und Leipzig vom Vortag liessen den dumpfen tausendjährigen Kleber erahnen, noch wenig zu riechen von dem Yasmin-Duft.

  • Früher gab es Trendsportarten, heute sind es eben die Trendinternetplattformen (Xing, Twitter, Google+).

    Facebook verfügt über keinerlei "must-have"-Attribute. Es ist eine verzichtbare Technologie beim User. Ganz anders sieht es da schon bei Microsoft und Google aus. Dort werden elementare Softwareskills vertrieben, ohne die man weder Internet gestalten kann, noch am PC arbeiten könnte.

    Ich habe den Fernsehbeitrag gesehen. Es ist eine werbefinanzierte Schülerzeitschrift für Groß und Klein.

    Besonders interessant war die Tatsache, dass das Einkaufsverhalten bei weiblichen Usern erkennbatr einen wichtigen Stellenwert bei Facebook hat. Männer sind da in ihrem Einkaufsverhalten mal wieder etwas restistenter gegen Werbebefeuerung.

    In der Reportage sah der Werbefritze in seinem "Aberconbie" (oder wie auch immer die schlecht aussehenden Klamotten heißen) lustig aus. Ansonsten bleibt die Klientel "Mann" ein Problemfall in der Werbung. Facebook wird daran nichts ändern.

    Was man an der Reportage vermisste, war die Behandlung der Frage, was bei Facebook wichtig oder unverzichtbar ist, eine Frage auf die man bei reinen Trends für gewöhnlich nie eine Antwort bekommt, weil da alles verzichtbar ist.

    Diese Beliebigkeit von Facebook als Trend ließ die Reportage so unbefriedigend erscheinen. In Wirklichkeit ist Facebook unbefriedigend auf die Frage, was daran wirklich so wichtig ist und eine Reportage teilt dann dieses Schicksal zwangsläufig.

    Ich habe während der Reportage die ganze Zeit als Aktionär an Xing gedacht und warum ich intuitiv ein Investment bei Facebook derzeit ausschließe.

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