Twitter feiert Geburtstag: „Da muss meine Freundin durch“

Twitter feiert Geburtstag
„Da muss meine Freundin durch“

Ob Papst-Botschaften, die #Aufschrei-Debatte oder das Neueste zum Stromausfall – Twitter hat sich sieben Jahre nach seinem Start fest etabliert. Was dem Dienst nach wie vor fehlt, ist eine einträgliche Ertragsquelle.
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DüsseldorfDer Geistesblitz kam auf einer Spielplatz-Rutsche im Park. Drei findige Technikfreaks hatten dort die Idee, sich in ihrer Firma künftig mit Kurznachrichten übers Internet auf den neuesten Stand zu bringen. Auf den Tag genau sieben Jahre ist es her, dass einer von ihnen, Jack Dorsey, den allerersten Tweet verfasste – mit dem lapidarem Inhalt „just setting up my twttr“.

Nach und nach eroberten die Nachrichten in 140 Zeichen das Netz: Immer mehr Menschen meldeten sich bei dem Dienst mit dem markanten blauen Vögelchen als Logo an.

Seit vergangenem Jahr zwitschern dem Unternehmen zufolge weltweit 200 Millionen aktive Nutzer täglich über 400 Millionen Nachrichten. Wie es dazu kam, darauf blickt Twitter am Donnerstag in einem Geburtstagsvideo zurück – natürlich ohne dabei kritische Punkte wie zunehmende Beschränkungen für Apps und Clients Dritter zu erwähnen.



Dass der Dienst trotzdem als Kommunikationsmittel eine immer größere Rolle spielt, hat er im vergangenen Lebensjahr bewiesen: Als Mitte November in München großflächig der Strom ausfiel, informierten die Stadtwerke die Bewohner über Twitter. Im Dezember schickte der damalige Papst Benedikt XVI. seinen ersten persönlichen Tweet in acht Sprachen um die Welt, sein Nachfolger Franziskus tat es ihm wenige Monate später gleich. Und nicht zu vergessen, die Sexismus-Debatte, die sich unter dem Hashtag #Aufschrei wie ein Lauffeuer über Twitter verbreitete.

Und dennoch twittern in Deutschland in erster Linie Unternehmen, Journalisten und Prominente: Die meisten Follower erreicht derzeit Top-Model Heidi Klum. Bei der breiten Masse scheint das Gezwitscher im Vergleich zu anderen Ländern noch nicht angekommen zu sein: Die meisten aktiven Twitter-Nutzer in Europa gab es im letzten Quartal des vergangenen Jahres in der Türkei. 39 Prozent der Onliner twitterten am Bosporus auch. Auf den Plätzen folgten die Spanier und die Briten.

Doch Twitter ist nicht nur auf der Suche nach neuen Nutzern, auch ein einträgliches Geschäftsmodell ist sieben Jahre nach dem Start noch nicht gefunden. Ein wichtiger Schritt dorthin könnte die kürzlich angekündigte Kooperation mit dem US-Kreditkartenanbieter American Express sein. Dadurch könnte der Kurznachrichtendienst in Zukunft von Provisionen profitieren, wenn Nutzer via Twitter und Kreditkarten-Konto einkaufen.

Aber am Geburtstag dürfte das Unternehmen in erster Linie die Glückwünsche seiner Nutzer genießen. Gratulationen kommen natürlich auch aus Deutschland – zum Beispiel von Fußball-Spieler Arne Friedrich: „Herzlichen Glückwunsch zum 7-Jährigen, Twitter. Meine Freundin schimpft zwar immer, dass ich so viel tweete, aber da muss sie durch.“

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