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Übernahmeschlacht von Mannesmann und Vodafone begann vor fünf Jahren

Die Erinnerungen an die spektakulärste Übernahme der Wirtschaftsgeschichte sind nie verblasst. Dafür sorgte allein schon ein Prozess, der in der ersten Jahreshälfte 2004 die Nation bewegte.

dpa DÜSSELDORF. Die Erinnerungen an die spektakulärste Übernahme der Wirtschaftsgeschichte sind nie verblasst. Dafür sorgte allein schon ein Prozess, der in der ersten Jahreshälfte 2004 die Nation bewegte. Das Wirtschaftsstrafverfahren, kurz Mannesmann- Prozess genannt, endete mit einem Freispruch für alle Angeklagten, darunter der Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann und der ehemalige Mannesmann-Konzernchef Klaus Esser. Ihnen war Untreue und Beihilfe dazu im Zusammenhang der Übernahme von Mannesmann durch den britischen Mobilfunkkonzern Vodafone vorgeworfen worden.

Fünf Jahre sind es am Sonntag (14. November) her, dass der damalige Vodafone-Chef Chris Gent dem Düsseldorfer Traditionskonzern in den Augen des Managements ein „unsittliches Angebot“ unterbreitete. Die Briten hatten es auf eines der erfolgreichsten deutschen Unternehmen der 90er Jahre abgesehen. Geboten wurden den Mannesmann-Aktionären zunächst rund 75 Mrd. Euro in Form eines Aktientausches. Esser lehnte ab und blies zur Abwehrschlacht.

Zugleich befürchteten die Arbeitnehmer eine Zerschlagung des Konzerns mit seinen Sparten Telekommunikation, Autotechnik, Maschinenbau und Stahlhandel - nicht zu Unrecht, wie sich Monate später herausstellte. Die Mobilfunkstrategie von Vodafone verspreche weniger Wachstum als der integrierte Ansatz von Mannesmann mit Mobilfunk, Festnetz und Internet, begründete Esser seine ablehnende Haltung.

Drei Monate dauerte das Gefecht, dann gab sich der ehemalige Röhren- und Maschinenbaukonzern geschlagen. Die Aktionäre hatten sich mehrheitlich für ein Zusammengehen mit den Briten entschieden. Die Festung Deutschland war geknackt. „Das mussten wir respektieren“, sagte Esser. Inzwischen hatte sich der Wert der Vodafone-Offerte durch eine Aufstockung und dem kräftigen Anstieg des Aktienkurses auf rund 180 Mrd. Euro erhöht. Der Mannesmann-Vodafone-Deal war damit vor AOL/Time Warner (rund 150 Mrd Euro) die teuerste Firmenübernahme.

Dabei war Mannesmann an dem Angriff von Vodafone nicht unschuldig: Schließlich hatte Esser zuvor in Großbritannien den Konkurrenten Orange gekauft und damit den dortigen Marktführer Vodafone provoziert. Esser glaubte, Mannesmann würde unverdaulicher sein für eine Übernahme.

Doch in der Telekommunikation war zu dieser Zeit nichts unmöglich. Vodafone hatte nämlich ein gravierendes Problem: Das Unternehmen verfügte im Ausland fast nur über Minderheitsbeteiligungen; so nach der Übernahme der US-Firma Airtouch Anfang 1999 auch an Mannesmann D2. Fressen oder gefressen werden, sagte sich Gent und wagte den Angriff.

Die Übernahme von Mannesmann machte Vodafone zum dominierenden Spieler auf den europäischen Märkten. Nach dem Zukauf versilberte Gent zahlreiche Mannesmann-Töchter: Die Industriesparte Atecs ging statt an die Börse für knapp zehn Mrd. Euro an Siemens und Bosch, die italienische Infostrada (Festnetz) für elf Mrd. Euro an den italienischen Enel-Konzern und die Mobilfunkfirma Orange für rund 45 Mrd. DM an France Telecom. Salzgitter erhielt das verlustreiche Röhrengeschäft, und die Luxusuhren verkaufte Vodafone an die Schweizer Richemont-Gruppe.

Für Aufsehen in diesem Jahr sorgte nicht nur der Mannesmann- Prozess. In die Schusslinie der Öffentlichkeit geriet Vodafone, als im Juni bekannt wurde, dass das Unternehmen plant, Buchverluste aus der Mannesmann-Übernahme durch Steuereinsparungen in Höhe von rund 20 Mrd. Euro zum Teil wieder auszugleichen. Politiker sprachen von „Abzockerskandal“, Juristen dagegen von einem völlig normalen Schritt.

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