Übersetzungen
Software lernt selbstständig neue Sprachfelder

Die Nachfrage nach Übersetzungen steigt rasant. Nicht nur die Weltkonzerne, auch international tätige Mittelständler müssen eine wachsende Zahl von Dokumenten in immer mehr Sprachen übersetzen.

HAMBURG. "Gleichzeitig steigt die Anforderung an die Geschwindigkeit, in der die Texte vorliegen müssen", sagt Tilman Hartenfels, Leiter des Sprachdienstes von Siemens Automation and Drives in Erlangen. Schließlich kann sich kein Unternehmen leisten, die Auslieferung eines Gerätes zu verschieben, weil die Betriebsanleitung nicht in der gewünschten Sprache vorliegt.

Schnell und billig erstellte Übersetzungen mit hoher Qualität sollen künftig Software-Lösungen bieten, die in der Lage sind, selbstständig zu lernen. Zwar haben Linguisten und Programmierer an einigen Hochschulen bereits in den 90er-Jahren erste Programme entwickelt, die in der Lage sind, neue Begriffswelten automatisch zu erschließen. Diese so genannten statistikbasierten Übersetzungssysteme lernen selbsttätig, indem sie riesige Textmengen auswerten und so erkennen, wie welcher Begriff zu übersetzen ist - und wie die Grammatik einer Sprache aufgebaut ist.

Bislang allerdings gibt es keine entsprechenden Komplettangebote auf dem Markt. Das werde sich bald ändern, sagt Alex Waibel, Direktor des Übersetzungsforschungszentrums "Interact" an der Universität Karlsruhe. "Wir befinden uns mitten in einer Revolution."

Derzeit arbeitet das Gros der Anwendungen, die in Unternehmen zum Einsatz kommt, auf Grundlage regelbasierter Software. In diesen Datenbanken werden häufig wiederkehrende Sätze oder Redewendungen mit ihren jeweiligen Übersetzungen gespeichert. Siemens etwa stellt seinen Mitarbeitern seit 2001 im Intranet den E-Translation-Server zur Verfügung. Er ermöglicht es, Dokumente und Mails zu übersetzen. Zugleich ist die Qualität der von kostenlosen Netzdiensten wie Babelfisch weit überlegen.

Allerdings stoßen die klassischen Softwarekonzepte für die maschinelle Übersetzung an ihre Grenze. Um ein regelbasiertes System wie den E-Translation-Server auf dem neusten Stand zu halten, muss die Übersetzungsabteilung fortlaufend neue Fachbegriffe einpflegen und neue Regeln definieren, wie ein bestimmter Satz von der einen in die andere Sprache zu übertragen ist. Das verursacht Kosten.

Andere Firmen wie Bosch begnügen sich damit, lediglich digitale Wörterbücher im Intranet bereit zu stellen. Doch auch die Pflege solcher Vokabelbestände wird angesichts der wachsenden Aufgaben teurer.

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