Umsatzeinbußen in China befürchtet
Dell droht wegen Mitarbeiter-E-Mails Ärger

Dem US-Computerhersteller Dell droht nach dem Bekanntwerden angeblicher Mitarbeiter-E-Mails über den chinesischen Konkurrenten Lenovo Ärger mit seinen Kunden in China.

dpa SCHANGHAI. Experten gingen am Dienstag von möglichen Umsatzeinbußen aus, nachdem sich der E-Mail-Autor kritisch über den staatlichen Besitzanteil bei Lenovo geäußert hatte. In chinesischen Internetforen ist Dell bereits seit Tagen wegen des Vorfalls unter Beschuss.

Das chinesische Internetportal Sina.com hatte die E-Mails ohne Quellenangabe veröffentlicht. Ihre Echtheit konnte bisher nicht überprüft werden. Wörtlich heißt es darin: „Wie Sie wissen, ist Lenovo eine staatliche chinesische Gesellschaft, die vor kurzem das PC- und Laptop-Geschäft von IBM gekauft hat. (...) Die Leute sollten verstehen, dass jeder Dollar, den sie für den Kauf dieser IBM-Systeme ausgeben, unmittelbar die chinesische Regierung unterstützt, bzw. ihr zugute kommt.“ Laut Sina.com könnte der Dell-Mitarbeiter auf diesem Weg versucht haben, Kunden vom Kauf der Lenovo-Produkte abzubringen.

Charles Jiang vom Pekinger IT-Analystenhaus Analysys International sagte: „Ich glaube, dies wird einen größeren negativen Einfluss auf den Umsatz von Dell in China haben.“ Ein Lenovo-Sprecher sagte, sein Unternehmen bedauere den Vorfall, werde aber keine Gegenmaßnahmen ergreifen. Die Dell-Vertretung in Peking erklärte auf Anfrage, sie bereite eine Pressemitteilung noch für den gleichen Tag vor.

Nationalistische Gefühle unter der chinesischen Kundschaft hatten im Jahr 2000 bereits dem japanischen Computerhersteller Toshiba geschadet. Dessen Umsätze begannen zu sinken, nachdem nur US- amerikanische Kunden für einen Fehler an einem Diskettensystem entschädigt worden waren, Kunden in anderen Ländern einschließlich Chinas dagegen nicht.

Lenovo hatte in diesem Jahr für 1,75 Mrd. Dollar das PC- Geschäft von IBM übernommen und war damit zum weltweit drittgrößten PC-Hersteller aufgestiegen. Die chinesische Gesellschaft, früher als Legend Group bekannt, war von der chinesischen Akademie der Wissenschaften gegründet worden und befindet sich noch größtenteils in staatlicher Hand.

Rund 33 Prozent an Lenovo sind über die Hongkonger Börse inzwischen allerdings in Privatbesitz übergegangen. Ein größerer Anteil ist überdies in den Händen von IBM. Weitere Beteiligungen an Lenovo halten die US-Investmentgesellschaften Texas Pacific Group, General Atlantic und Newbridge Capital.

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