Umstieg
Digitaltechnik erobert Hollywood

Nach der Wachablösung des klassischen Fotoapparates durch die digitale Fotographie steht auch der Filmindustrie ein ähnlicher Umbruch bevor. Viele der großen Filmstudios arbeiten an der Ablösung ihres traditionellen Werkstoffs Zelluloid. Das Ende der Filmrolle?

BERLIN. Star Wars-Regisseur George Lucas gilt in Hollywood als besonders fortschrittlich: Als einer der ersten Filmemacher drehte er digital, der Hersteller Sony entwickelte dafür sogar eine spezielle Kamera. Lucas lobt die neue Technik, schließlich kann sein digitales Filmmaterial weder reißen noch verkratzen.

Ein komplett digitalisiertes Kino, von der Aufnahme bis zur Aufführung, hat viele Vorteile, ist aber erst dabei, sich am Markt zu etablieren. Hierzulande arbeiten sechs Fraunhofer-Institute in der Allianz Digital Cinema mit Industriepartnern an dem Projekt. Das Ziel: „Künftig sollen Kinofilme digital aufgenommen, gespeichert, bearbeitet, verteilt und projiziert werden. Wichtig dabei ist, dass alle Geräte weiterhin weltweit kompatibel bleiben“, sagt Projektsprecherin Angela Raguse.

Zermürbtes Zelluloid wird jedoch erst der Vergangenheit angehören, wenn die digitale Bildqualität besticht – hieran haperte es bisher noch.

Eine der wichtigsten Elemente einer brillanten Kinovorführung ist die Produktion, also die Kamera. Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS konstruierten daher zusammen mit dem Filmgerätehersteller ARRI Cine Technik die ARRI D20. Sie verfügt über eine ähnliche Tiefenschärfe wie konventionelle Kameras und liefert authentische Farben. Ein großer Vorteil der Entwicklung: „Kameraleute können die hochwertigen Objektive konventioneller Kameras weiter nutzen. Außerdem ist die D20 wie eine analoge Kamera mit einem optischen Sucher ausgestattet“, sagt Angela Raguse. ARRI vermietet das Modell bereits.

Um die bisher eingesetzten Filmrollen ersetzen zu können, bedarf es eines großen Speichers. Dieser muss aber handlich bleiben, denn allein eine Minute Filmmaterial benötigen 40 Gigabyte Platz. Am Fraunhofer Institut IIS wurde mit dem „Megacine“ ein mobiler Speicher entwickelt, der eine Kapazität von einem Terabyte hat – damit können rund 40 Minuten unkomprimiertes Material in Kinoqualität aufgenommen werden. Ohne umständliches Umkopieren geht das Material in die Nachbearbeitung.

Worüber sich der Regisseur freuen dürfte: „Das sieben Kilo schwere Gerät ermöglicht, am Set eine erste Vorschau abzuspielen. Über einen integrierten Stereo-Ausgang kann sogar der Ton angehört werden“, so die Fraunhofer-Sprecherin Angela Raguse. Megacine soll Ende des Jahres auf den Markt kommen.

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