UN-Gipfel in Tunis
100-Dollar-Laptop soll digitale Kluft schließen

Ein kleiner, froschgrüner Billig-Laptop mit Handkurbel soll die digitale Kluft zwischen der Dritten Welt und den führenden Industrienationen schließen helfen.

dpa TUNIS. Nicolas Negroponte, Gründer und Chef des renommierten Media Lab an der US-Eliteuniversität MIT, hat am Mittwochabend gemeinsam mit Kofi Annan einen ersten Prototyp seines 100-Dollar-Laptops auf dem zweiten Weltgipfel der UN zur Informationsgesellschaft in Tunis vorgestellt. Das Gerät ist alles andere als ein modernes High-Tech-Gerät. Dennoch soll der robuste Mobilcomputer nahezu die gleiche Leistung bringen, sagt Negroponte. Er könne nur keine großen Datenmengen speichern.

Von der Verbreitung moderner Kommunikationsmittel - so die Auffassung der Experten - werden die ökonomischen, sozialen und politischen Entwicklungsmöglichkeiten der armen und Schwellenländer in den kommenden Jahren entscheidend abhängen. Dabei sind für die Ausstattung der Bildungseinrichtungen und für die Verbreitung in der Bevölkerung nicht die Kosten allein entscheidend. Natürlich seien die meisten Lösungen wie hiesige PCs, Laptops und Handys für ärmere Länder viel zu teuer, sagt Jan Gütter vom Halbleiterhersteller AMD. Für den Einsatz in ländlichen Gebieten oder Schulen sowie unter extremen Wetterbedingungen seien sie aber vor allem nicht robust genug.

Ende 2006 bis Anfang 2007 könnte der 100-Dollar-Laptop in Serie gehen. Er wird nicht im freien Handel erhältlich sein, sondern soll in Millionen-Stückzahlen an Bildungsministerien in den entsprechenden Staaten verkauft und an Schüler verteilt werden. Das Gerät wird von der gemeinnützigen Organisation „One Laptop per Child“ (ein Laptop für jedes Kind) Olpc entwickelt, das unabhängig vom MIT arbeitet. Zu den Gründungsmitgliedern gehören unter anderem AMD, der Suchmaschinenbetreiber Google, die News Corporation und der Linux- Distributor Red Hat.

Es sei nicht viel, was sein 100-Dollar-Laptop nicht könne, sagt Negroponte. Das Gerät nutzt das freie Betriebssystem Linux sowie Prozessoren von AMD und soll die meisten Aufgaben wie ein hier zu Lande üblicher Laptop bewältigen können. Der Preis von 100 Dollar soll vor allem mit dem Einsatz besonders billiger Displays realisiert werden. Für die Stromversorgung soll der Laptop alternativ über eine kleine Handkurbel verfügen, mit der sich mechanisch die Batterien wieder aufladen lassen. Eine Minute Kurbeln soll für bis zu 30 Minuten Betrieb reichen. Und mit Hilfe eines Henkels können die Schulkinder „ihren“ Laptop abends bequem nach Hause tragen.

Moderne Laptops seien mit Funktionalitäten und Features ohnehin überfrachtet, so die Meinung des Computer-Wissenschaftlers. Die Entwickler hätten bei ihrem froschgrünen Prototypen deshalb das Fett aus dem System abgelassen. Mit einer billigen Display-Art, die normalerweise in günstigen DVD-Playern eingesetzt wird, sollen die Kosten weiter gedrückt werden. Solche Displays sollen lediglich um die 35 Dollar kosten. Noch seien die Entwickler aber dabei, mit der Auswahl der Ausstattung den Preis unter 100 Dollar zu bekommen.

Ein Laptop sei sowohl ein Fenster als auch ein Werkzeug: Ein Fenster in die Welt und ein Werkzeug zum Denken, erklärt Negroponte. Das Gerät ist eines aus einer ganzen Reihe von Entwicklungen, mit denen Institutionen und Industrie-Unternehmen die Bildung erleichtern und den Entwicklungs- und Schwellenländern einen Anschluss an die führenden Informations-Gesellschaften bieten wollen.

Neben der Unterstützung des 100-Dollar-Laptops verfolgt beispielsweise AMD bei seiner Initiative „50x15“ das Ziel, bis zum Jahr 2015 mindestens 50 Prozent der Weltbevölkerung mit Computern und Netzzugang auszustatten. So soll zum Beispiel ein Gerät mit dem Namen PIC (Personal Internet Communicator) auf der Basis von Microsofts Betriebssystem Windows, Internet-Zugang und inklusive Monitor, Maus und Tastatur für unter 250 Dollar über Telekom-Unternehmen offeriert werden. „Das Angebot stößt auf sehr rege Nachfrage“, sagt Gütter. Derzeit werde der Einsatz des Geräts unter anderem in der Karibik und in Indien getestet.

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