Universal Music
Allianz gegen Apples iTunes

Universal Music will laut Medienberichten eine Internet-Allianz von Musikkonzernen schmieden, um die Dominanz von Apples Online-Shop iTunes in den USA zu brechen.

dpa NEW YORK. Universal Music habe bereits Sony BMG als potenziellen Partner gewonnen und sei in Gesprächen mit Warner Music, berichtete das US-Magazin „Businessweek“ in seiner Online-Ausgabe. Ziel sei ein eigener gemeinsamer Internet- Shop. Er solle Total Music heißen und einen Abo-Dienst mit uneingeschränkter Musik-Nutzung für etwa fünf Dollar im Monat anbieten, schrieb „Businessweek“ unter Berufung auf Insider. Zusammen stünden die drei Großkonzerne für 75 Prozent des US-Musikgeschäfts.

Der britische „Telegraph“ berichtete, Universal Music sei auch in Gesprächen mit Microsoft und anderen Herstellern von Abspielgeräten. Die Idee sei, dass die Hersteller die monatliche Gebühr übernehmen, damit die Käufer bestimmter Modelle den Zugang zur Musik kostenlos bekommen.

Abo-Modelle, bei denen die Nutzer eine uneingeschränkte Anzahl von Songs nutzen können, solange sie monatliche Gebühren zahlen, haben sich trotz Angebote vieler Unternehmen bei den Verbrauchern nicht durchgesetzt. Allerdings war der Preis mit rund 15 Dollar üblicherweise deutlich höher als bei dem angeblichen neuen Plan für Total Music.

Die Musikindustrie befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Während die CD-Verkäufe rapide fallen, nimmt der Absatz von Musik über das Internet zu. iTunes hat in den USA einen Marktanteil von mehr als 70 Prozent bei Musik-Downloads. Mit dieser Marktmacht kann Apple maßgeblich die Preispolitik mitbestimmen. So soll sich Apple- Chef Steve Jobs hartnäckig weigern, von dem Festpreis von 99 Cent pro Song abzuweichen, während die Musikindustrie gern neue Titel etwas teurer und ältere etwas billiger verkaufen würde.

Die Musikkonzerne versuchen schon seit längerem, die Marktmacht von Apple einzudämmen. Im Sommer beschloss Universal Music, den langfristigen Vertrag mit Apple nicht zu verlängern, sondern die Songs nur noch auf befristeter Basis anzubieten. Der Chef der Universal-Music-Mutter Vivendi, Jean-Bernard Levy, kritisierte laut „Businessweek“, dass Apple 29 von den 99 Cent pro Titel behalte. iTunes-Konkurrenten wie Amazon.com oder Wal-Mart bekamen von den Musikkonzernen zuletzt Konditionen, mit denen sie Songs ohne Kopierschutz günstiger anbieten können als Apple. Während man bei iTunes für 99 Cent lediglich Musik bekommt, die nur auf Apples ipod- Playern abgespielt werden kann, kostet ein Lied ohne Kopierschutz gleich 1,29 Dollar.

Die Spannungen zwischen Apple und den Inhalte-Lieferanten traten in den vergangenen Monaten immer wieder offen zu Tage. Jobs verfasste im Februar einen offenen Brief an die Musikkonzerne mit dem Aufruf, den Kopierschutz abzuschaffen. Da gerade Musik aus dem iTunes Store damals nur auf Apples ipod-Playern lief, sorgte der Brief zunächst auch für Verwunderung. Inzwischen verkaufen immer mehr Anbieter Musik online ohne Kopierschutz. Auch bei Video-Downloads gibt es Streit um Apples Preispolitik. Anfang September eskalierte der Konflikt mit dem US-Medienriesen NBC Universal, der nach eigener Darstellung eine flexiblere Preisgestaltung wollte, und Apple verbannte NBC-Serien aus dem iTunes-Shop.

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