Unterhaltungselektronik
Im Rausch der Tiefe

2010 war das Jahr der 3-D-Fernseher. Nun erobert die Technik, ermöglicht durch hohe Rechenleistung, auch Handys, Videospiele und Fotoapparate. Wir stehen vor einer neuen Dimension der Unterhaltung. Brauchen wir die?
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Die Lage ist verfahren, als sich der Rat der Jedi trifft, um zu beraten, wie die Föderation die übermächtigen Klonkrieger noch zurückschlagen könnte. Und zu allem Überfluss glänzt in der Schlüsselszene des „Krieg der Sterne“-Klassikers „Die Rache der Sith“ auch der Weise Yoda durch Abwesenheit. Sein Platz in der Runde bleibt leer – bis sich der mächtige Ritter als holografische Projektion in den Rat einblendet und mit virtueller, aber dreidimensionaler Präsenz die Wende im Kampf gegen das Böse einleitet.

Hologramme, also räumlich wirkende Bilder – das war beim Dreh des Weltraumepos im Jahr 2005 noch Science-Fiction. Doch schon ein halbes Jahrzehnt später stehen 3-D-Bilder als Foto, Video oder Computerspiel vor dem Durchbruch. Die Hersteller sehen sogar schon eine neue Ära der Unterhaltungselektronik heraufziehen: Zum Weihnachtsgeschäft macht eine Flut innovativer Produkte dreidimensionale Bilder für alle verfügbar.

Dabei geht Angebot weit über 3-D-Fernseher hinaus. Es reicht von neuen Fotoapparaten und Videokameras, die Partys und Panoramen in räumlicher Tiefe aufnehmen, über Handys, deren Displays 3-D-Bilder anzeigen, bis hin zu neuen PCs, deren Spezialmonitore nahezu alle Arten von elektronischen Medien dreidimensional darstellen können. Und mit speziellen Vorsatzlinsen mutiert jetzt sogar Apples iPhone zum 3-D-Monitor.

Auch Sony und Microsoft haben ihre Spielekonsolen Playstation3 sowie Xbox 360 für die Wiedergabe entsprechend programmierter 3-D-Spiele fit gemacht. Und der Spielespezialist Nintendo bringt im März mit der 3DS die erste tragbare Spielekonsole mit 3-D-Anzeige auf den Markt. Sie kann räumliche Bilder sogar ganz ohne die sonst übliche Spezialbrille anzeigen.

Schneller als Hollywood

Zwar haben dieses Jahr neue Fernseher die Diskussion der Branche dominiert. Doch der „eigentliche Treiber im Wachstumsmarkt dreidimensionaler Unterhaltungselektronik sind Computerspiele“, sagt Klaus Böhm, Chef der Mediensparte beim Beratungshaus Deloitte in Düsseldorf. Schneller als alle anderen Branchen, so Böhm, habe die Gaming-Industrie den Trend erkannt. Vor allem schneller als die Hollywood-Studios. Deren Angebot an 3-D-Streifen umfasst bisher kaum ein Dutzend Titel.

Und die Gerätehersteller verknappen das Filmangebot aus Marketinggründen sogar noch: Den 3-D-Blockbuster „Avatar“ etwa gibt vorerst nur im Paket mit einem Panasonic-Fernseher. Die 3-D-Variante von „Alice im Wunderland“ ist Käufern von Sony-Fernsehern vorbehalten.

Computerspielefans dagegen können aus mehr als 400 Titeln wählen. Alles, was sie brauchen, sind ein PC mit 3-D-tauglichem Monitor und eine Spezialbrille. Die lenkt – wie bei den 3-D-Fernsehern – die Bilderflut vom Display mal aufs linke, mal aufs rechte Auge und erzeugt so im Gehirn den Eindruck echter Tiefenwirkung.

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