Unternehmen sichern sich EU-Adresse
Auf die Plätze, fertig, los: Die neue EU-Domain ist da

Nach „de“ und „com“ müssen sich Internetgänger wohl in absehbarer Zeit an ein weiteres Kürzel gewöhnen: an „eu“. Denn mit dem heutigen Mittwoch beginnt das Vergabeverfahren für die neue EU-Domäne. Skeptiker bezweifeln allerdings den wirtschaftlichen Nutzen der neuen Top-Level-Domain.

GARMISCH. „Die EU-Adressen sind eigentlich nur für diejenigen Unternehmen hier zu Lande interessant, die bei der „de“- oder „com“-Vergabe zu kurz gekommen sind“, ist Anwalt Jürgen Kuck aus dem Düsseldorfer Büro der Kanzlei Hoffmann Liebs Fritsch & Partner überzeugt. Denn kein Global Player, der im Netz bislang unter „com“ residiert, werde sich künftig auf die EU-Domain beschränken, glaubt Kuck. Die Unternehmen sicherten sich allenfalls deshalb die EU-Adresse, um zu verhindern, dass jemand anderes ihren Namen im Internet zu Markte trägt.

Beim weltweit größten Domainhändler Sedo.de in Köln registriert man derzeit trotzdem „einen Hype auf die EU-Domains“, wie Geschäftsführer Marius Würzner berichtet. Er macht das daran fest, dass sich bereits über 400 deutsche Provider als EU-Registrierstellen hätten autorisieren lassen. Außerdem werde von den EU-Domains ein „erheblicher identitätsstiftender Faktor ausgehen, dem sich Unternehmen mit EU-weitem Firmennetz gar nicht entziehen können“, glaubt Würzner.

Um zu verhindern, dass sich Domaingrabber gleich zu Beginn der Registrierungsphase die besten Filetstücke herausschneiden, hat sich die EU für ein dreistufiges Registrierungsverfahren, die so genannte „sunrise periode“, entschieden. Deutsche Unternehmen, die einen EU-Namen beantragen wollen, brauchen lediglich eine der zahlreichen nationalen Registrierstellen zu kontaktieren – eine Liste der legitimierten deutschen Provider ist im Internet unter www.eurid.eu abrufbar. Die Kosten belaufen sich auf etwa 50 bis 100 Euro pro EU-Adresse. In der am Mittwoch beginnenden Phase 1 der Sunrise Periode dürfen allerdings nur Inhaber von „früheren Rechten“ ihre Namen registrieren lassen. „Neben öffentlichen Einrichtungen handelt es sich dabei um alle Unternehmen mit Sitz in der EU, die entweder Inhaber einer eingetragenen EU-Marke oder einer nationalen Marke sind“, erklärt Anwältin Andrea Jaeger-Lenz aus der Kanzlei Latham & Watkins in Hamburg. Erst in Phase 3 ab dem 7. April 2006 steht die Registrierung jedermann offen.

Vor allem Unternehmen, deren Namen in Deutschland oder in Europa mehrfach vorkommen, sollten sich sputen. Denn unter ranggleichen Rechteinhabern gilt weiterhin das „first come, first served“-Prinzip. Beantragt etwa der juristische Fachverlag C.H. Beck die Domain www.beck.eu zeitlich vor dem Bekleidungshaus Ludwig Beck, hat Letzterer das Nachsehen. Streitigkeiten sind also vorprogrammiert. Sie landen entweder vor dem tschechischen Schiedsgerichtshof. Unabhängig davon steht aber auch der nationale Rechtsweg offen – was allein schon zur Umgehung von Sprachbarrieren sinnvoll sein kann.

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