Unterschiedliche Meinungen bei Polizei und Datenschützern
Sicherheit digitaler Fingerabdrücke in Frage gestellt

Während die Polizei Bayerns sich zu digitalen Fingerabdrücken bekennt, zweifeln Datenschützer an der Wirksamkeit biometrischer Daten.

hiz DÜSSELDORF. Datenschützer hegen immer mehr Bedenken gegen so genannte biometrische Merkmale in Ausweisen oder Verbrechensbekämpfung. Die Polizei Bayerns will sich zukünftig dennoch auf digitale Fingerabdrücke verlassen. Dabei soll ein System des französischen Anbieters Steria zum Einsatz kommen, das auch im Rahmen des europäischen Fingerabdruck-Speichersystems Eurodac seit Anfang 2003 eingesetzt wird.

Der designierte Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, bezweifelte allerdings in einem Gespräch mit dem Berliner Tagesspiegel die Wirksamkeit der Speicherung biometrischer Daten. Nach seiner Ansicht sind Fingerabdruck-Systeme zu leicht zu überwinden.

Experten halten die Iris für das Körpermerkmal mit der höchsten Wiedererkennungsrate. Allerdings weisen Psychologen darauf hin, dass beim Scannen der Iris unbewusste Angstgefühle auftreten. Das Auge, das der Körper unbewusst besonders schützt, ist bei der Erfassung ungeschützt einer Maschine ausgesetzt. Zudem ist die Technik zur Erfassung wesentliche aufwendiger als eine relativ einfache Kamera, die Fingerabdrücke digitalisiert.

Andere Versuche, wie die Erkennung von Gesichtszügen, sind wieder eingestellt worden. Auf amerikanischen Flughäfen wurde damit versucht, Straftäter automatisch zu identifizieren. Was im Labor noch funktionierte, erwies sich im Alltagsbetrieb als unbrauchbar, weil Probanden nicht erkannt wurden oder unschuldige Fluggäste Ziel polizeilicher Maßnahmen wurden.

In der Fehlkennung liegt auch das Problem, das Banken vor dem flächendeckenden Einsatz zurückschrecken lässt. Neben den hohen Investitionen in Hard- und Software bleiben zwei Probleme: Der unberechtigt gewährte Zugriff und die ungerechtfertige Zurückweisung. Unberechtigter Zugriff ist heute schon ein bekanntes Problem, da die Technik mit Magnetstreifen und PIN-Code alles andere als sicher ist. Unangenehm ist aber auch die ungerechtfertigte Zurückweisung - nicht nur, weil der Bankkunde ohne Geld da steht, sondern weil schnell das Vertrauen ins System verloren geht.

Interessant wird in diesem Zusammenhang der Großversuch sein, der während der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland laufen soll. Laut IT-Branchenverband Bitcom sollen in verschiedenen Stadien der Zugang zum VIP-Bereich oder den Sportlerkabinen biometrisch abgesichert werden.

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