Unterstützung für den Digitalstandard DAB schwindet - Medienanstalt sucht nach Alternativen
Digitales Radio soll attraktiver werden

Bis September haben sie Zeit. Die Mitarbeiter der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) recherchieren viel in diesen Tagen und müssen lange Sitzungen überstehen.

HB DÜSSELDORF. Bis zur Internationalen Funkausstellung (Ifa) in Berlin will ihr Arbeitgeber die Diskussion über die Zukunft des digitalen Hörfunks in Deutschland "wieder anstoßen". Ende 2004 hatte die MABB gefordert, den bisherigen Standard DAB (Digital Audio Broadcasting) aufzugeben.

Die MABB muss sich ins Zeug legen. Genutzt wird DAB zwar kaum - eine echte Alternative gibt es aber bisher nicht. In der vergangenen Dekade haben die Landesmedienanstalten nach Angaben des Bundesrechungshofes etwa 500 Millionen Euro für Entwicklung und Vermarktung des DAB-Standards ausgeben. Branchenschätzungen zufolge existieren aber nicht mehr als 50 000 Radio-Geräte in Deutschland, die DAB-Sender empfangen können.

Problematisch an DAB ist vor allem, dass der Standard im Unterschied zum digitalen Fernsehen die Zahl der empfangbaren Radiosender nicht signifikant erhöht.

Der Platz für analoge Radioprogramme ist begrenzt. Die meisten deutschen Radios drängeln sich auf dem Ultrakurzwellen(UKW)-Spektrum zwischen 88 und 108 Mhz. DAB funkt in Deutschland bisher nur auf Frequenzen zwischen 175 und 235 MHz (das so genannte Band III) sowie zwischen 1452 und 1491 Mhz (L Band). Diese zusätzlichen Felder bieten Platz für höchstens 60 Programme. Auf Grund der veralteten DAB-Technik - das System wurde bereits Ende der achtziger Jahre entwickelt - lassen sich die digitalen Signale vor der Übertragung nur ungenügend komprimieren.

Zudem kosten die Empfangsgeräte 150 Euro und mehr: "Niemand wird so viel Geld ausgeben, nur um einige wenige Sender mehr zu hören", sagt Radioberater Ulrich Bellieno. "Das Problem liegt auch bei den Radiogesellschaften - sie müssten analoge und digitale Sender gleichzeitig betreiben, haben also doppelte Kosten, ohne dass sich die Hörerzahlen und Werbeeinnahmen erhöhen", sagt Beate Appel von der Radiobeteiligungsgesellschaft Eurocast.

So schwindet die Unterstützung für den DAB-Standard, nicht nur bei der Medienanstalt Berlin-Brandenburg. Auch Programmanbieter in Nordrhein-Westfalen und im Saarland haben ihre DAB-Lizenzen zurückgegeben.

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