Urheberrechtlich geschütztes Material
Piratenjagd im Silicon Valley

Anbieter wie Audible Magic oder Motion DSP spüren im Auftrag der großen Medienkonzerne urheberrechtlich geschütztes Material auf. Eigene Nischenindustrie bildet sich heraus.

BERLIN. Das Jahr 67 vor Christus: Das römische Reich ist in Gefahr. Fast im gesamten Mittelmeerraum treiben Piraten ihr Unwesen. Regelmäßig überfallen sie auch die italienische Küste. Außerdem kapern die Seeräuber Schiffe, die die Apennin-Halbinsel mit Getreide aus den Provinzen versorgen. Rom muss handeln. Mit Gnaeus Pompeius Magnus schickt es seinen besten Mann gegen die Piraten. Mit Erfolg: Innerhalb weniger Wochen hat Pompeius das Netzwerk der Piraten zerschlagen, die Seewege nach Rom sind wieder sicher.

Über 2000 Jahre später: Statt Seewegen sind heute Datenverbindungen bedroht. Auf den großen Online-Portalen geht die Angst um: 1,65 Milliarden Dollar hat Google im vergangenen Jahr für das Videoportal Youtube auf den Tisch gelegt. Wie das wieder reinkommen soll, ist immer noch nicht klar. Zwar steigt die Beliebtheit von Youtube ständig, mit ihr aber auch der Ärger mit Online- Piraten. Mitte März hat der Medienriese Viacom den Youtube-Eigner Google auf Schadensersatz in Milliardenhöhe verklagt. Der Vorwurf: Youtube vertreibe ohne Erlaubnis Inhalte des Medienkonzerns.

160 000 Videoclips, die aus dem eigenen Programm stammen, will Viacom auf Youtube gefunden haben. Zur Ermittlung dieser Zahlen hat Viacom keine Praktikanten eingespannt, die sich monatelang durch das Angebot auf dem Videoportal klicken mussten. Die Rolle des Pompeius übernehmen für Viacom die Experten von Bay TSP – einem kleinen Technologie-Unternehmen aus Los Gatos im US-Bundesstaat Kalifornien.

Und damit steht Viacom nicht allein. Auch die großen Hollywood-Studios lassen das Internet ständig nach Material durchsuchen, das ohne ihre Erlaubnis online gestellt wurde. Im Silicon Valley hat sich zu diesem Zweck mittlerweile eine eigene Nischenindustrie gebildet, die im Auftrag der großen Medienkonzerne auf die Jagd nach Online-Piraten geht. Ein lukratives Geschäft: Mehrere 10 000 Dollar soll Viacom nach Brancheninformationen an Bay TSP gezahlt haben, um urheberrechtlich geschütztes Material bei Youtube aufzuspüren.

Das hat sich offenbar herumgesprochen. Fast wöchentlich bieten neue Startups den Medienkonzernen ihre Dienste als Piratenjäger an. „Alles ist ganz neu“, sagte Sean Varah, Chef des Unternehmens Motion DSP, dem „San Francisco Chronicle“. „Gerade geht es richtig los.“

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