US-Präsidentschaftswahlen 2008
Wahlkampf 2.0

Das „Mitmachnetz“ hat nicht nur den Umgang mit dem Internet revolutioniert. Das Web 2.0 erfasst in den USA jetzt auch die Politik: Die Befragung demokratischer Präsidentschaftskandidaten, die CNN am Montag Abend (Ortszeit) überträgt, soll ganz ohne Moderatoren auskommen. Die Fragen stellt die Youtube-Community in Form von selbsterstellten Videos.

WASHINGTON. Man werde Geschichte schreiben, heißt es wenig bescheiden auf der Ankündigungsseite von Youtube. Seit Anfang Juni konnte jeder, der bei der Videoplattform registriert ist, Fragen in Form von selbst hochgeladenen Videos stellen, die nun den demokratischen Präsidentschaftskandidaten – darunter Barack Obama und Hillary Clinton – gestellt werden. Die Konfrontation der republikanischen Kandidaten mit der Internetgemeinde soll am 17. September folgen.

Dem „YouChoose08“ getauften Namen des Projekts werden Youtube und CNN dabei nicht ganz gerecht: Welche Fragen den beiden Bewerbern um das höchste Staatsamt der USA wirklich gestellt werden, entscheidet die CNN-Redaktion. Damit diese 20 bis 30 Videos pro Sendung zusammenstellen kann, durften die Filmschnipsel nicht länger als 30 Sekunden sein. Ob dabei wirklich Fragen gesendet werden, die der Politikredaktion des Nachrichtensenders nicht eingefallen wären, bleibt abzuwarten. Auch Politikinteressierte außerhalb der USA können sich die Debatte nach der Ausstrahlung auf Youtubes Politikblog  Citizentube ansehen.

Knapp 3 000 Videos haben die Youtube-Nutzer in den eigens eingerichteten Channel » Democratic Debate eingestellt. Die auf der Plattform am häufigsten aufgerufenen Fragen werden dabei wohl kaum „on air“ zu sehen sein. Sie drehen sich beispielsweise um eine geforderte  UFO-Anhörung im Kongress oder werden gleich von  Kermit dem Frosch gestellt.

Fraglich bleibt, ob das offenbar von CNN verfolgte Konzept aufgeht, mit Hilfe von Youtube einen Teil der an das Internet verlorenen jungen Zuschauer zurückzuholen. Die Präsidentschaftskampagne sorgt jedenfalls auch ohne CNN für Furore auf dem Videoportal. Eines der zur Zeit bekanntesten Videos auf der Plattform ist die gesungene  Liebeserklärung der Schauspielerin Amber Lee Ettinger an Barack Obama. Die besser unter ihrem Alter Ego „Obama Girl“ bekannte Frau lieferte sich außerdem jüngst einen „Battlerap“ mit dem „Giuliani Girl“, der ebenfalls die Youtube-Charts stürmte:

In Deutschland ist die Politik noch nicht ganz so netzaffin. Erst kürzlich erklärte der wissenschaftliche Dienst des Bundestages den Abgeordneten » was ein Weblog ist und informiert sie darüber, dass die Blogs zu „einem bedeutenden politischen Kommunikationsraum geworden“ sind.

Wie ein  Beitrag des ARD-Morgenmagazin erst kürzlich zeigte, haben die deutschen Volksvertreter solcherlei Nachhilfe des Bundestagsdienstes offenbar auch bitter nötig. Im „bedeutenden politischen Kommunikationsraum“ der deutschsprachigen Blogosphäre ist nicht zuletzt die Inkompetenz der Politik in Sachen IT und Internet ein beliebtes Thema, so etwa auf » Netzpolitik.org, » Spreeblick, » Blogs von CCC-Mitgliedern oder » Doeners Blog.

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