US-Soldaten
Mit dem iPod in den Krieg

Die US-Soldaten im Irak sind nicht nur für die Schlacht gut gerüstet. Wie die US-Internetseite arstechnica.com berichtet, bringen die Soldaten immer öfter MP3-Player, Filme, Laptops und Digitalkameras mit – was mitunter zu Problemen führen soll.

HB DÜSSELDORF. Mitten in der Nacht krachte es: Die Soldaten einer US-Einheit im Irak sprangen aus ihren Schlafsäcken, zogen ihre Schutzwesten an, gingen in Deckung. Doch auf ihrer Basis war kein Feind in Sicht. Der Lärm kam aus einem der Zelte: Dort hatte sich ein techniksüchtiger Soldat ein eigenes DJ-Pult aufgebaut, und beim Musikhören versehentlich den Kopfhörer aus dem Anschluss gezogen. Was seine Kameraden für Explosionslärm hielten, war in Wirklichkeit laute Musik aus seinen Boxen.

So zumindest schildert es „Arstechnica.com“, eine amerikanische Internetseite für Computerbegeistere, die sich auf Nachrichten und Weblogs rund um das Thema Technik spezialisiert hat. „Während die Soldaten früher mit wenig mehr als einem Rucksack und einem Gewehr ausgerüstet waren", schreibt der Autor Nate Anderson, „nehmen die heutigen Infanterie-Einheiten eigene MP3-Player, Digitalkameras, DVD-Player, Videospiele, Filme und Computer mit.“

Die US-Basis Camp Liberty, so berichtet Arstechnica weiter, hat sich demnach in eine kleine Stadt verwandelt, ausgestattet mit Fitnessstudios, Internetcafés, Klimaanlagen und jeder Menge Technik: Die Soldaten besitzen eigene iPods, DVD-Player, Laptops und Webcams. Sie hören Musik, spielen das Computerspiel „Counterstrike“, schauen Filme und chatten mir ihrer Familie.

Die Soldaten könnten sich technisches Gerät günstig nachbestellen, so Arstechnica, denn für das Paket-Porto würden US-Tarife gelten. Für wenig Geld könnten sie ihre Geräte im Internet bestellen und auf Regierungskosten um die Welt schiffen lassen. Vor Ort sei ein gigantischer Schwarzmarkt entstanden, auf dem Soldaten für wenige Dollar ganze Paletten an gebrannten CDs und DVDs kaufen könnten, heißt es weiter.

Die gute Ausstattung der Soldaten ruft Kritiker auf den Plan, etwa auf der Internetseite „military.com“, einer Meinungsplattform für Armeeangehörige. „Während viele Iraker keine Oasen der Sicherheit haben, und auch keine verlässliche Strom-, Wasser- und Treibstoffversorgung", so beschwert sich der Autor David Sears, „läuft das amerikanische Equipment einfach weiter.“

Vergleiche mit Vietnam

Grundsätzlich neu sei die Technikverliebtheit der amerikanischen Truppen aber nicht, so schreibt der ehemalige Navy-Offizier und Buchautor weiter: Schon im Vietnamkrieg seien die US-Truppen in einem Hauptquartier bei Saigon mit „großen Radios, Stereoanlagen, Kassettendecks und Klimaanlagen“ ausgerüstet gewesen, der modernen Technik der 60er und 70er. Um aber in dem „globalen Kampf für Ideen und Ideale“ erfolgreich zu sein, so Sears pathetisch, müssten sich die US-Truppen auf mehr berufen können als auf ihren Luxus.

Anders als in Vietnam aber nehmen die amerikanische Soldaten immer öfter ihren Alltag im Irak mit Digitalkameras auf; sie machen Interviews, berichten von ihren Patrouillen, filmen ihre Kämpfe. Aus privaten Kriegsvideos ist jetzt der Film „War Tapes“ entstanden, der in einigen US-Kinos zu sehen ist; der Vorspann ist auf der Internetseite thewartapes.com abrufbar.

„Sollte der Konflikt grausam enden“, schreibt Sears in seinem Artikel, „wird es keinen Mangel an Bildern von düsteren Wendepunkten geben.“ Wie unkontrollierbar die neue Bilderflut geworden ist, zeigt der Fall Abu Ghraib aus dem Jahr 2004: Die Foltervideos aus dem Gefängnis gingen um die Welt, und schadeten dem Image der US-Truppen erheblich. Solche Bilder machen dem Autor Sears offenbar Angst.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%