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VA Tech-Verkauf an Siemens musste scheitern

Eigentlich hätten es die handelnden Personen wissen müssen: Der am Mittwoch de facto abgesagte Übernahmeversuch des Linzer Technologie-, Energiesysteme- und Anlagenbaukonzerns VA Tech durch die deutsche Siemens-Gruppe hatte ohnehin wenig Aussicht auf Erfolg.

dpa WIEN. Eigentlich hätten es die handelnden Personen wissen müssen: Der am Mittwoch de facto abgesagte Übernahmeversuch des Linzer Technologie-, Energiesysteme- und Anlagenbaukonzerns VA Tech durch die deutsche Siemens-Gruppe hatte ohnehin wenig Aussicht auf Erfolg.

Zu groß waren die Widerstände der Arbeitnehmervertretung und der sozialdemokratischen Opposition in Wien - eine Konstellation, in der vor nicht einmal einem Jahr schon einmal die Vollprivatisierung eines einst mächtigen österreichischen Staatsbetriebes zu scheitern drohte, jene der voestalpine.

Damals wollte sich Finanzminister Karl-Heinz Grasser über die Börse frisches Kapital für die leere Staatskassa holen. Und musste sich anhören, dass er mutwillig die Zerschlagung eines traditionsreichen österreichischen Industrieunternehmens herbeiführe, weil ohne Hereinnahme eines österreichischen Kernaktionärs einer Verlegung der Konzernzentrale ins Ausland Tür und Tor geöffnet würde. Das aber wäre das Ende des Stahlkonzerns voestalpine, hieß es.

Als warnendes Beispiel wurde immer wieder der Reifenhersteller Semperit genannt, der nach dem Verkauf von der deutschen Konzernmutter Conti so lange ausgehungert worden sei, bis es zur Schließung der österreichischen Produktionsstätten kam. So ein Schicksal erwarte im Falle eines Siemens-Engagements auch die VA Tech, hieß es in den vergangenen Wochen. Siemens würde die VA Tech nicht stärken, sondern sich mit der Übernahme nur einen lästigen Konkurrenten vom Hals schaffen.

Das Ringen um die VA Tech erinnert in den Grundzügen stark an die jüngste Diskussion um die Fusion der französischen Pharmaunternehmen Sanofi und Aventis, in der die deutsche Politik Angst um die tausende Arbeitsplätze in Deutschland hatte. Im Falle der VA Tech hat sich die Politik freilich vorerst durchgesetzt, nicht zuletzt deshalb, weil es nach der Diskussion um die voestalpine, bei der Grasser erst sehr spät einlenkte und einen erheblichen Teil der Aktien für die Mitarbeiter reservierte, für die Regierungsparteien eine herbe Wahlniederlage setzte.

Allerdings habe Grasser zuletzt auch wiederholt das nötige Fingerspitzengefühl bei der Privatisierung der verbliebenen Staatsbeteiligungen vermissen lassen, wurde kritisiert. Der geplante Verkauf der Telekom Austria-Anteile an die Swisscom platzte ebenso Aufsehen erregend wie die angedachte Hereinnahme der deutschen Post AG als strategischer Partner für die österreichische Post.

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