Vater des Internets Vint Cerf
„Ich hätte mehr Sicherheit eingebaut“

Vint Cerf gilt als ein „Vater des Internets“. Im Interview spricht er darüber, was er heute beim Internet anders machen würde – und bei welchem Thema er seinem Arbeitgeber Google widerspricht.
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Handelsblatt Online: Sie werden als einer der Väter des Internets bezeichnet. Hätten Sie damals gewusst, was Sie heute wissen – was würden Sie anders machen?

Vint Cerf: Ich kann Ihnen sagen, was ich gerne anders gemacht hätte – ohne zu wissen, ob ich es damals die Entscheidung wirklich so hätte treffen können. Ich hätte von vorne herein mehr Sicherheit in das gesamte System eingebaut. Ich hätte etwas in das System eingebaut, was Rückschlüsse auf Identitäten zulässt. Das bedeutet nicht, dass jeder, der das Internet nutzt, sich ausweisen muss – darum geht es nicht. Es geht darum, die Werkzeuge zu schaffen, damit jeder frei entscheiden kann, ob er mit jemanden anderen nur unter der Bedingung kommuniziert, dass sich die Gegenstelle klar ausweist.

War das damals keine Überlegung?

Doch, tatsächlich haben wir damals darüber nachgedacht. Aber Mitte der 1970er Jahre, als sich alles langsam zu entwickeln begann, war sämtliche Technologie, die eine Identitätsprüfung über das Netz mittels Kryptografie ermöglicht hätte, geheim, weil sie militärisch genutzt wurde. Obwohl ich an einem Entwurf gearbeitet habe, der genau solche Technologien nutzte, konnte ich all meinen Kollegen an den Universitäten, die vom Militär keiner entsprechenden Geheimhaltungsstufe zugeteilt waren, nicht davon berichten. Heute haben wir diese Technologie natürlich öffentlich verfügbar – und sie wird auch genutzt. Dadurch wird das Netz heute sicherer.

Würden Sie noch etwas anders machen?

Klar, wir würden natürlich direkt den viel größeren 128-Bit-Raum für Internet-Adressen nutzen – so wie beim kommenden Internet-Standard IPv6. Sogar darüber haben wir damals diskutiert – 1976. Wir nutzten damals 32 Bit, weil wir glaubten, die meisten Computer sind Großrechner, die viele Leute gleichzeitig bedienen. Wir dachten, es würde nur wenige große Netzwerke geben, weil sie teuer sind. 4,3 Milliarden Kombinationen, von dem jeder 1000 Nutzer oder mehr versorgt, sollten mehr als ausreichen – dachten wir. Was wir nicht vorhergesehen haben waren Smartphones, Laptops, iPads und all das. Hätte ich das damals gewusst, hätte ich gleich 128 Bit gewählt – angesichts der Tatsache, wie schwierig die Umstellung gerade ist. Anderseits: Wir haben das damals diskutiert. Niemand konnte sich damals vorstellen, wofür man so viele Adressen bei einem wissenschaftlichen Experiment jemals gebrauchen könnte. Denn genau das war das Internet damals.

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