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Vatikan im Web: Erzengel, E-Mails und eine Nonne als PC-Expertin

„Gibt es einen Schutzheiligen für das Internet?“, wird Schwester Judith Zoebelein oft gefragt. „Noch nicht, wir warten auf Vorschläge“, antwortet die 55-jährige Web-Expertin des Vatikans den Neugierigen aus aller Welt.

dpa ROM. „Gibt es einen Schutzheiligen für das Internet?“, wird Schwester Judith Zoebelein oft gefragt. „Noch nicht, wir warten auf Vorschläge“, antwortet die 55-jährige Web-Expertin des Vatikans den Neugierigen aus aller Welt. Den Aufbau der Papst-Homepage hat die in New York geborene Nonne aber auch ohne Schutzpatron sehr gut hinbekommen: Die Webseite des Heiligen Stuhls ist heute mit bis zu zehn Mill. Treffern pro Tag eine der meistbesuchten der Welt.

Das Interesse an Johannes Paul II. sei in der Web-Gemeinde riesengroß, sagt die zierliche Frau im dunklen Ordensgewand. „Vor allem wollen die Leute Details aus dem Privatleben des Papstes wissen“, erzählt sie im Gespräch mit der dpa. Rund 180 000 E-Mails erhielt der Pontifex im vergangenen Jahr zu seinem 25. Amtsjubiläum. Das Team vom Internet-Büro hatte eigens Mailboxen in sechs diversen Sprachen freigeschaltet. Der Server hatte trotzdem Mühe, mit dem riesigen Andrang fertig zu werden. „Wir waren überwältigt“, erinnert sich Schwester Judith. Die Papst-Adresse ist sonst nur an seinen Geburtstagen von der Vatikan-Homepage www.vatican.va aus zugänglich.

Der Heilige Stuhl ging erstmals Weihnachten 1995 online. „Der Papst ist ein großer Verfechter der modernen Medien, da sie neue Wege der Evangelisierung eröffnen“, sagt Schwester Judith. Das konnte Johannes Paul II. auch aus erster Hand erfahren, als er sich 2001 zum ersten Mal selbst per Mausklick mit der Welt in Verbindung setzte und eine E-Mail nach Australien schickte.

Nach mehreren Auslandsstationen hatte sich Schwester Judith 1991 beim Vatikan beworben, als dieser eine erfahrene Kraft für den Aufbau seiner Computer-Infrastruktur suchte. Das Interesse für die neuen Medien hatte sie schon von Kindesbeinen an - schließlich arbeitete ihr Vater als Programmier. „Damals gab es hier kaum Computer“, erinnert sie sich. Einigen Kardinälen gab sie persönlich Nachhilfe in PC-Fragen. Heute existieren im Vatikan rund 1 000 E-Mail-Anschlüsse, alle Büros sind vernetzt. Stolze 30 Großrechner füllen den Server- Raum im Apostolischen Palast, nur wenige Stockwerke unter der Wohnung des Papstes.

Um den zahlreichen neuen Projekten des Vatikans gerecht zu werden, installieren Techniker einer kalifornischen Computerfirma gerade einen zweiten Server-Raum. „Wir werden unsere Rechner-Kapazität mehr als verdoppeln“, erzählt Koordinator Luigi Salimbeni. Und Anfang 2005 beginnt die Testphase für das erste virtuelle Portal katholischer Gemeinden. Dann können die Gläubigen in aller Welt in Newsgroups miteinander chatten.

Schwester Judith scheint es gelungen zu sein, das Überirdische auch im profanen Medium Internet angemessen darzustellen. „Die Technik muss das Heilige widerspiegeln“, lautete denn auch von Anfang an ihr Arbeits-Credo. So wird die Web-Seite „Gabriel“ genannt, wie der Erzengel der Verkündigung. Die Firewall zum Schutz vor Computer- Viren heißt „Michael“, wie der Wächter-Engel. Und das Intranet, das nur für die Angestellten zugänglich ist, trägt den Namen „Raphael“, der stets im Geheimen arbeitet.

„Wir brauchten den Extra-Schutz der Erzengel einfach“, schmunzelt Schwester Judith. Und bisher hat immerhin noch kein Virus den Vatikan-Server lahm gelegt.

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