Veranstalter wollen Händler als Besucher, die Aussteller locken aber auch Privatkunden
Cebit kämpft um Stand als Fachmesse

Die Cebit sieht sich nach drei schwierigen Jahren wieder im Aufwind. Die Zahl der Aussteller steigt wieder leicht, doch machen diese nicht immer das, was sich der Veranstalter der größten Messe der Welt vorstellt. 6270 Aussteller kommen zwischen dem 10. und 16. März zur IT-Messe nach Hannover, davon 3293 aus dem Ausland. Im Vorjahr waren es 6109, davon 2941 ausländische.

News FRANKFURT. Für dieses Plus gibt es zwei Hauptgründe. Der erste ist der Boom auf den asiatischen Märkten. Die meisten ausländischen Aussteller kommen aus Taiwan (777), gefolgt von China (310). Aus den USA kommen dieses Jahr weniger als 2004: 209 statt 224 im Vorjahr.

Eine weitere Stütze für die Messe ist das Geschäft mit den Verbrauchern. Der Veranstalter, die Deutsche Messe AG, sieht das gar nicht gerne. Der Grund dafür: Die Cebit soll eine Fachmesse sein, keine Publikumsmesse. Das ist für die Veranstalter so wichtig, weil immer mehr Firmen breit gefächerten Messen fern bleiben und sich lieber auf spezialisierte und regionale Veranstaltungen konzentrieren. Ein Messeauftritt kostet schließlich einiges, daher ist es für viele wichtig, gezielt aufzutreten, damit sich der finanzielle Aufwand lohnt. Daher bleiben immer mehr Business-Zulieferer wie Oracle, Adobe, Hewlett Packard oder Dell der Cebit fern. "Es werden zunehmend Consumer-nahe Produkte ausgestellt", gibt die Deutsche Messe-Sprecherin, Gabriele Dörries, zu, betont aber: "Die oberste Zielgruppe bleibt der Handel."

Viele der Aussteller sehen das aber nicht unbedingt so. Microsoft zum Beispiel ließ sich zuerst lange bitten, bis es überhaupt einen Auftritt in Hannover erwog. Jetzt hat der Softwarekonzern angekündigt, auf der Messe eine Testversion der Microsoft Office Standard Edition 2003 zu verteilen. Mit dieser Shareware kann man das neue Office-Paket 60 Tage kostenlos in vollem Umfang testen. Ein Angebot, das eindeutig Endverbraucher anziehen soll.

Auch gerade Unternehmen wie Samsung zählen auf Privatnutzer. Schließlich bietet der koreanische Konzern hauptsächlich Endgeräte wie Fernseher, MP3-Player oder Handys an. "Die Cebit ist ja schon lange keine reine Fachmesse mehr", urteilt eine Samsung-Sprecherin.

Das erste Mal hatten die Veranstalter 1995 überlegt, die Konsumenten von der Messe wegzulocken. Damals waren ganze 29 Prozent der Besucher keine Geschäftsleute. Zuerst einmal wurde der Eintrittspreis auf die Messer drastisch erhöht. 1996 und 1998 veranstaltete die Deutsche Messe jeweils im August die so genannte "Cebit Home", die extra für die Endverbraucher gedacht war. Aber schon im Jahr 2000 wurde dieses Modell aufgegeben: Es kamen nicht genug Aussteller. 2004 zählte der Veranstalter rund 15 Prozent private Besucher auf der Fachmesse.

So befindet sich die Deutsche Messe in einem Dilemma. Zum einen soll die Cebit eine international anerkannte Größe im Business-to-Business-Sektor sein. Der Trend geht Experten zufolge aber weg von großen, unspezifischen Messen. Zum anderen hat die Cebit eine starke Anziehungskraft auf die Verbraucher. Die ist zwar nicht so recht gewünscht, stützt aber vorerst das Geschäft. Alice Gundlach

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