Verbraucher verunsichert
Wirbel um CD-Kopierschutz

Der Patzer einer britischen Software-Firma könnte sich schon bald zu einem kleinen Desaster für die Musikindustrie entwickeln. Vor allem Sony BMG steht derzeit wegen eines auf Musik-CDs in den USA erprobten, heftig umstrittenen Kopierschutzes der Firma First vier Internet im Fadenkreuz der Kritik. Und unter den Verbrauchern nimmt die Verunsicherung zu.

dpa HAMBURG. Nach jüngsten Medienberichten soll der vorweihnachtliche Absatz von Sonys Musik-CDs in Amerika bereits deutlich rückläufig sein. „Das ist alles sehr verwirrend, was die Musikindustrie zur Zeit mit Kopierschutzverfahren macht“, sagte Sven Hansen, Fachredakteur der Computerzeitschrift „c't“. „Als Kunde will ich doch einen Künstler kaufen und nicht eine Technologie.“

Laut einem Bericht der „Financial Times“ vom Freitag wird Sony BMG wegen der Nutzung des gefährlichen XCP-Kopierschutzes in Kalifornien bereits mit drei Klagen von Verbrauchern konfrontiert. Experten hatten bereits eindringlich davor gewarnt, dass die Software ähnlich wie ein Computervirus agiert und möglichen Schadprogrammen eine willkommene Hintertür auf Computern öffnen kann.

Inzwischen sei eine ganze Welle von Computerviren im Internet unterwegs, die die XCP-Hintertür als „Trojanisches Pferd“ ausnutzen, schlug der Branchendienst „c'net“ am Freitag Alarm. Die bislang nur theoretische Möglichkeit eines Missbrauchs habe sich jetzt bestätigt, sagte der Karlsruher Virenexperte Christoph Fischer. Davon betroffen seien allerdings derzeit nur Nutzer, die eine aus den USA stammende Musik-CD von Sony BMG auf ihrem Rechner abgespielt hätten. Die meisten Antiviren-Programme seien inzwischen in der Lage, die entsprechenden Dateien zu erkennen. Nach bisherigem Kenntnisstand sollen nur wenige CD-Titel mit XCP bestückt worden sein.

In den vergangenen Jahren haben alle großen Musikkonzerne verschiedene technische Verfahren erprobt, um das Kopieren von Songs auf einer CD zu verhindern. Das illegale Kopieren macht die Industrie seit langem für massive Umsatzrückgänge verantwortlich. „Es kann sich heute keiner mehr leisten, Urheberrechte nicht zu schützen“, sagte Hartmut Spiesecke, Sprecher des Bundesverbands der Phonografischen Wirtschaft. Es müsse selbstverständlich auch künftig die Möglichkeit geben, dass Kreative hier zu Lande wie überall ihr Geld verdienen können. Die Industrie setzt deshalb seit einigen Jahren auf das digitale Rechtemanagement und verschiedene technische Ansätze von Kopierschutz.

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