Verbraucherschützer: Bürger viel zu nachlässig
Kundendaten immer weniger unter Kontrolle

Die unkontrollierte Weitergabe von Kundendaten und die Sammelwut von Unternehmen und Verwaltung bereiten den Datenschützern zunehmend Sorgen. Die Bürger sind viel zu nachlässig beim Umgang mit Daten, warnen die Experten.

HB BERLIN. Insbesondere bei den über 22 Mill. Kundenkarten in Deutschland gebe es „zum Teil gravierende Verstöße gegen Datenschutzregeln“, sagte die Vorsitzende des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (vzbv), Edda Müller, am Dienstag in Berlin. Dank neuer technologischer Möglichkeiten sammelten Unternehmen immer mehr und immer systematischer Daten über Verbraucher.

„Die sorglose Freigiebigkeit vieler Verbraucher bei den eigenen Daten, die zunehmende Ausbeutung von Kundendaten und die neue staatliche Sammelwut nach dem 11. September verdichten sich zu einem gefährlichen Gemisch“, meinte Müller. Zusammen mit dem unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) stellte der vzbv die Broschüre „99+1 Beispiele und Tipps zum Bundesdatenschutzgesetz“ vor.

„Die Dämonisierung des Problems hilft ebenso wenig wie das Kleinreden realer Risiken“, sagte der Leiter des ULD, Helmut Bäumler. Er appellierte an die Verbraucher, ihr Auskunftsrecht über die Verwendung ihrer Daten in Anspruch zu nehmen. Vor allem sollten Konsumenten sparsam bei der Weitergabe persönlicher Daten sein. Sinnvoll sei zudem ein auch handschriftlicher Vermerk auf Verträgen: „Diese Daten dürfen nicht für Werbezwecke verwendet werden.“

Als Beispiele für problematische Entwicklungen nannten die Datenschützer unter anderem Anträge für Lebens-, Kranken- oder Berufsunfähigkeits-Versicherungen. Daten über Krankheiten blieben gespeichert, auch wenn die Versicherung nie zu Stande komme. Im Internet würden bei der Registrierung von Kunden und beim Bezahlen regelmäßig Daten erhoben. Bei einer Überprüfung der Websites von 30 Unternehmen habe der vzbv 16 „Abmahnungen“ wegen Datenschutzverstößen ausgesprochen, unter anderem gegen Firmen wie Mediamarkt, Otto, Quelle, TUI oder Yahoo.

Statt das Bundesdatenschutzgesetz immer komplizierter zu machen, sollte der Gesetzgeber das geltende Recht gezielt in drei Punkten verbessern: Die Verwendung von Kundendaten für jeden anderen Zweck als zur Vertragserfüllung müsse von der Einwilligung des Betroffenen abhängig sein. Den Kontrollinstanzen müssten wirksame Instrumente in die Hand gegeben werden. Für Unternehmen, die mit Kundendaten korrekt umgehen, müsste ein System von Gütesiegeln einen Anreiz und einen Wettbewerbsvorteil schaffen.

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