Verbraucherverbände fordern Sicherheitsstandards
Fischer schließt Online-Handel mit Medikamenten nicht aus

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ap BERLIN. Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer schließt den Handel mit Medikamenten im Internet nicht prinzipiell aus. Voraussetzung sei allerdings ein größtmöglicher Verbraucherschutz, sagte die Grünen-Politikerin am Mittwoch im ZDF. Seriöse Anbieter sollten zum Zuge kommen, und diese müssten bestimmte Standards beachten - zum Beispiel die Rezeptpflicht einhalten.

Auch die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände (AgV) plädierte generell für den Online-Verkauf von Arzneimitteln, forderte aber eine europaweite Qualitätsicherung. Die Apotheker lehnten Internet-Handel dagegen ab. Mit dem Thema beschäftigte sich in Berlin eine Expertentagung des Bundesgesundheitsministeriums und der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Apothekerverbände.



Forderung nach Sicherheitsstandards

Fischer sagte, Aufgabe der Politik sei es ihrer Ansicht nach, dem Verbraucher die Wahl zu ermöglichen - eine Wahl, bei der er sicher sein könne, dass Sicherheitsstandards gewährleistet seien. Man wolle die Erfahrungen aus den USA nutzen, wo Arzneimittel bereits im Internet gekauft werden könnten, erklärte sie. Gleichzeitig sprach die Ministerin von einer "Quadratur des Kreises", denn keineswegs solle das traditionelle Apothekensystem zerstört werden. Sie hoffe, einer Lösung des Problems im Laufe des nächsten Jahres näher gekommen zu sein.

Die AgV erinnerte an die Preisvorteile, die Medikamentenhandel im Internet biete. Arzneimittel würden dort zum Teil bis zu 60 % billiger angeboten. Zurzeit sei der Markt für den Verbraucher aber nicht transparent genug. Der Verband empfahl Patienten, bis zur politischen Umsetzung von Sicherheitsstandards für Online-Handel in Apotheken gezielt nach Importmedikamenten und Generika zu fragen.



Apothekerverbände zeigen kein Verständnis

Die Apothekerverbände lehnten den Verkauf von Medikamenten im Internet dagegen aus Gründen des Verbraucherschutzes ab. Der Gesetzgeber sehe eine Einheit in der Abgabe von Arzneimitteln und Beratungsmöglichkeiten vor Ort. Dazu sei das Internet nicht geeignet. Außerdem wären bei einer Freigabe die Wettbewerbsbedingungen ungleich, erklärten die Verbände: Wären Internethändler wie öffentliche Apotheken zur flächendeckenden Lieferung aller Arzneimittel im Markt verpflichtet sowie zu den gesetzlich vorgeschriebenen Dienstleistungen der Apotheken, so wären sie nicht konkurrenzfähig.



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