Verbrechensbekämpfung
Facebook überwacht Chat-Nachrichten

Offenbar scannt Facebook automatisch Chat-Nachrichten seiner Nutzer, um Hinweise auf Straftaten zu erhalten. Sollte sich ein Verdacht bestätigen, geht Facebook aktiv auf die Behörden zu - auch in Deutschland.
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Ein Mann aus Florida chattet über Facebook mit einem 13-jährigen Mädchen. Im Laufe der Konversation plant er schließlich, sich mit ihr nach der Schule zu treffen. Nur kurze Zeit später steht die Polizei vor seiner Tür und verhaftet ihn. Dies ist kein entworfenes Szenario, sondern Realität. Möglich wurde der Zugriff der Behörden durch ein von Facebook entwickeltes System, mit dem Chat-Nachrichten zwischen den Mitgliedern automatisch auf Schlüsselwörter gescannt werden.

Erscheint eine Nachricht verdächtig, wird sie an einen Facebook-Mitarbeiter weitergeleitet. Dieser kann dann, wie im aktuellen Fall geschehen, die Polizei benachrichtigen.

Laut Facebook handelt es sich dabei um ein „komplexes System“. Die Kriterien, nach denen eine Nachricht als verdächtig eingestuft wird, sind zwar nicht transparent, Facebooks Sicherheitschef Joe Sullivan sagte aber gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, Grundlage des Systems sei ein Archiv an Chat-Nachrichten, die sexuellen Übergriffen vorausgegangen seien.

Wie Facebook dieses Archiv aufgebaut hat und wie eine Zuordnung zwischen Nachrichten und Straftaten möglich war, konnte auf Nachfrage von Handelsblatt Online nicht beantwortet werden. Allerdings wurde versichert, dass das System speziell zum Schutz von Kindern konzipiert wurde.

Allerdings werden wohl nicht alle Chat-Verläufe gleichermaßen überwacht; Facebook selber analysiert laut Joe Sullivan die Beziehung zwischen den Nutzern, eine Rolle spielt dabei unter anderem der Altersunterschied. Es scheint wahrscheinlich, dass ein Kontaktverhältnis, das bereits länger besteht, als weniger verdächtig eingestuft wird.

Auch die Anzahl der gemeinsamen Freunde könnte ein Indikator dafür sein, ob Facebook die Freundschaft als „persönlich bekannt“ einstuft und in diesem Fall eher nicht überwacht.

Auf Anfrage von Sueddeutsche.de erklärte das Unternehmen, dass auch deutsche Nutzer von der Technik betroffen seien. Sollte Facebook von einer Straftat erfahren, würde man auch in Deutschland „proaktiv“ auf Behörden zugehen.

Kommentare zu " Verbrechensbekämpfung: Facebook überwacht Chat-Nachrichten"

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  • Lieber anonymus,
    Selbstverständlich liegt die VERANTWORTUNG nicht bei Facebook sondern bei den Eltern! Trotzdem halte ich es nicht für schlecht, wenn der Anbieter einer Kommunikationsplattform ein Auge darauf hat, was dort passiert. Eine Aufklärung der Kinder und Jugendlichen halte ich auch für sinnvoll. Dies sollte in der heutigen Zeit m.M.n. sogar (ZUSÄTZLICH zu den Eltern) von Fachleuten in der Schule geschehen.
    ABER: Wer als Elternteil ernsthaft glaubt, alles kontrollieren zu können, was die Kids in ihrer Freizeit so machen ist ebenfalls sehr naiv. Ich hab von Jugendlichen gehört, die tatsächlich Geheimnisse vor ihren Eltern haben...
    Auch wird ein potenzieller Vergwaltiger sein Vorhaben wohl eher selten offen darlegen! Ihre Tochter (sagen wir, sie ist 16 also KEIN KIND mehr) chattet also mit einem gleichaltrigen Mädchen, dass die selben Interessen hat wie sie selbst, lernt diese im Netz über Tage näher kennen und möchte sich mit dieser Verabreden. Schöpfen Sie, da Sie ja alles immer mitlesen (dürfen), sofort Verdacht!? Ich glaube nicht! Da hilft leider die beste Aufklärung nichts. Diese armen Typen sind leider nicht alle dumm und wissen auch, worauf sie achten müssen.
    Mal ein Beispiel: Sie kennen jetzt zwei Aussagen von mir, meine Meinung zu dem Thema hier und einen Namen. Wer bin ich? Wie alt bin ich? Mann oder Frau? Habe ich überhaupt Kinder? Bin ich selbst noch eins? Sitz ich im Büro oder im Knast?
    Grundrechte sind wichtig, keine Frage! Nur hat sich die Welt leider seit der Zeit in der diese fixiert wurden um einiges weitergedreht.
    Ich habe in meinem ersten Beitrag ja auch nur darum gebeten sich in die konkrete Lage zu versetzen...
    Also nochmal, lieber anonymus, Ihre Tochter wurde durch diese Aktion (trotz Ihrer sicherlich reichhaltigen Aufklärung und Ihrer Überwachung) vor einem Verbrechen bewahrt. Wie reagieren SIE? SIE unterstützen den Verbrecher bei seiner Klage gegen Facebook wg. Verstoßes gegen seine Grundrechte? Traurig....

  • Wenn ein Kind bei Facebook surft (was an sich schon grenzwertig ist) liegt die Verantwortung danach zu schauen MIT WEM das Kind chattet bei den Eltern und NICHT (!!!) bei Facebook. Verschörungstheoretiker sind heute alle die sich mit Dingen beschäftigen die man selbst nicht versteht wie mir scheint... Wenn sie auf die Masche mit der "Sicherheit unserer Kinder" tatsächlich reinfallen sind sie noch naiver als die 13-Jährige im Bericht... Grundrechte sind dazu da um die Bevölkerung vor dem Staat zu schützen sie sind kein Hindernis beim Schutz unserer Kinder... Klärt eure Kinder vernünftig darüber auf worauf sie beim chatten achten müssen dann sind solche Stasi-Methoden gar nicht erst nötig...

  • mir ist grade heute etwas merkwürdiges passiert. ich unterhielt mich mit einem bekannten über webshops, schrieb ihm das ich den header in seinem shop toll finde, er sagte das sein mann grafiken super hinbekommt und er ihn gerne mal fragt ob er mir auch ein bischen mit den grafiken unter die arme greift.
    zwei tage später, also heute, kam eine mail in meinem postfach an:
    absendername war der vorname des grafikkünstlers. er habe hier eine tolle adresse wo ich für unter 30 euro einen tollen header bekommen könne, im text wird noch facebook erwähnt, auch meine formulierung das ich den header so toll gefunden hätte u.s.w.
    ich hatte dann aus faulheit die mail noch nicht beantwortet zum danke sagen. im chat stellte sich dann aber heraus, das besagter grafiker keine internetadresse von mir hatte, keine mail, kein garnichts. er hatte mir nicht gemailt! ich habe 100% nur mit dem einen facebook mitglied geschrieben und auch nur mit diesem die sache besprochen. und zufällig!? bekomme ich wenige stunden später so eine mail wo sogar der vorname des grafikers benutzt wird.
    es scheint mir sehr offensichtlich zu sein das fb nicht nur nach strafbarem kram schaut sondern auch nach ganz normalem alltag und dann die mailadressen weitergereicht werden zwecks werbung

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