Verknüpfung der Dienste
Microsoft und Yahoo schmieden Messenger-Allianz

Microsoft und Yahoo beenden ihre jahrelange Rivalität beim Instant Messaging und wollen ihre Dienste, über die Internet-Nutzer in Echtzeit Nachrichten übermitteln können, miteinander verknüpfen. Der Schritt ist eine Reaktion auf die zunehmende Konkurrenz durch Google und soll zudem den Druck auf AOL verstärken.

HB SUNNYVALE/REDMOND. Künftig seien die beiden Messenger kompatibel, so dass die Nutzer beider Systeme Nachrichten direkt austauschen könnten, hieß es am Mittwoch. Mit diesem Schritt werde der Graben zwischen den beiden bislang getrennten Kommunikations-Gemeinden der beiden Unternehmen geschlossen, teilte Microsoft-Chef Steve Ballmer am Mittwoch in Redmond (US-Staat Washington) mit. Die auch auf anderen Gebieten stark konkurrierenden Unternehmen könnten damit dem bislang unangefochtenen Marktführer AOL gefährlich nahe kommen.

Gemeinsam verzeichnen die beiden Unternehmen nach eigenen Angaben insgesamt 275 Millionen Nutzer in aller Welt. „Mit der Verbindung der beiden Dienste entsteht weltweit das bei weitem größte Netzwerk“, erklärte MSN-Deutschland-Chefin Dorothea Ritz. Und damit sei erst der Anfang für eine große Entwicklung gemacht. Denn derzeit kommunizierten erst rund ein Fünftel aller Internet-Nutzer über die Instant Messenger.

„Das ist wirklich ein Wendepunkt für die Industrie des Instant Messaging“, sagte Yahoo-Manager Terry Semel. „Wir glauben, dass unsere Vereinbarung mit Microsoft uns in eine neue Ära der IP-Kommunikation führen wird.“ Die technische Realisierung sei allerdings recht aufwendig, sagte Terry von Bibra, Geschäftsführer von Yahoo Deutschland. Die Kommunikation über die Dienste-Grenzen hinweg werde voraussichtlich im zweiten Quartal 2006 realisiert sein.

Bisher können bei Microsoft und Yahoo die Nachrichten nur innerhalb eines Systems ausgetauscht werden. Wollten Nutzer also Nachrichten plattformübergreifend austauschen, mussten sie auf andere Programme wie Trillian zurückgreifen. Die Messenger-Programme bieten dabei insgesamt längst nicht mehr nur den Austausch von Textnachrichten, inzwischen sind auch Video- und Telefonfunktionen möglich.

Die schnelle Kommunikation über das Internet sehen Branchenbeobachter für die Unternehmen vor allem deshalb als besonders lukrativ an, da sie für viele Nutzer ein weiteres Tor zu ihren anderen Internet-Dienstleistungen öffnen. Vor allem die Einbindung der Sprach-Kommunikation von PC zu PC habe nicht nur das Interesse der Nutzer, sondern verstärkt auch der Werbetreibenden kräftig gesteigert, sagte Bibra.

Dem „Wall Street Journal“ zufolge kommen die beiden neuen Partner aus dem Stand zusammen auf einen Marktanteil von 44 %, AOL hält nach den Erhebungen des Marktforschungsinstituts Radicati Group derzeit einen Anteil von 56 %. In dieser Berechnung ist der Marktanteil des jüngst von Ebay für 2,6 Mrd. Dollar aufgekauften Unternehmens Skype allerdings noch nicht berücksichtigt. Auch der Suchmaschinenbetreiber Google testet derzeit seinen eigenen IM-Dienst „Google Talk“, dessen Marktanteil Radicati zufolge derzeit noch bei 0,5 bis 1 % liegen soll.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%