Verzicht auf Mitgliedschaft
AOL macht radikalen Schritt

AOL war lange Zeit für Millionen Menschen der Inbegriff des Internets. Vor dem Hintergrund sinkender Kundenzahlen steht der Internet-Anbieter nun jedoch vor weit reichenden Veränderungen. Es soll sogar auf die bislang kostenpflichtige Mitgliedschaft verzichtet werden. Eine riskante Gratwanderung steht bevor.

HB NEW YORK. Der neue Kurs wird vermutlich dazu führen, dass die Bedeutung des Unternehmens als Zugangspunkt zum Internet noch weiter abnimmt als ohnehin schon in den vergangenen Jahren. Der Vorstand des Time-Warner-Konzerns, zu dem AOL gehört, wollte sich am Donnerstag mit Vorschlägen befassen, weitere Dienstleistungen von AOL von der Mitgliedschaft zu befreien, darunter wahrscheinlich auch die AOL-E-Mail-Accounts. Das Geld soll stattdessen aus der Werbung kommen.

Die Strategie ist durchaus risikoreich. Denn vermutlich werden Millionen Kunden auf ihre bezahlten Mitgliedschaften verzichten, und AOL wird hunderte Mill. Dollar im Jahr verlieren, vielleicht auch mehr. Dahinter steht nur die Hoffnung, mit der Online-Werbung in Zukunft mehr Geld verdienen zu können.

Kaum eine andere Wahl

Aber AOL hat kaum eine andere Wahl. Die Kundenbasis nimmt von Jahr zu Jahr ab. Die Internet-Werbung hingegen boomt, gerade auch im Bereich der Online-Videos, in dem AOL stark ist. „Sie spielen ein riskantes Spiel“, sagt David Hallerman, Analyst bei eMarketer. „Aber es wäre noch riskanter, nicht zu spielen.“

AOL begann 1985 als Anbieter eines geschlossenen Online-Dienstes, der sich Q-Link nannte. Den Nutzern wurde zwar nach und nach auch ermöglicht, ins freie Internet zu wandern, AOL unternahm aber immer alles, um die Mitglieder in den gesicherten Mauern des eigenen Angebots zu halten. Mill. Menschen in den USA und auf der ganzen Welt machten ihre ersten Erfahrungen mit dem Internet, der E-Mail und dem Instant Messaging über die zahllosen kostenlosen CDs, die immer mal wieder die Briefkästen verstopften.

Im Mittelpunkt des AOL-Geschäfts stand die einfache Einwahl ins Internet über ein Modem. Inzwischen sind aber ständig einsatzbereite Breitbandverbindungen schon fast die Regel. In den USA erreichte AOL im September 2002 mit 25,7 Mill. Mitgliedern seinen Höhepunkt. Seitdem sank die Zahl der festen Kunden um 30 Prozent auf 18,6 Mill. im März dieses Jahres. AOL ist damit in den USA zwar immer noch der größte Internet-Provider, aber immer weniger Menschen wählen sich über Modems ein. Während zwei Drittel der AOL-Kunden derzeit noch Verträge für eine Modem-Einwahl haben, nutzen fast zwei Drittel der amerikanischen Internetnutzer Breitbandverbindungen.

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