Videoportale im Web
Wenn die Bilder laufen lernen

Das Programm machen die Zuschauer selbst. Per Mausklick starten Musikclips, eine Kamerafahrt durch die Straßen von Berlin oder ein Kurzfilm mit einem Comic-Nilpferd beim Zähneputzen. Neue Internet-Plattformen mit Videosequenzen aller Art umwerben vor allem junge Leute.

dpa BERLIN. Die Nutzer können eigene Bilder beisteuern, Spots kommentieren und an andere weiterleiten. Angesichts rasant steigender Nachfrage versprechen sich die Betreiber ein großes Potenzial fürs Werbegeschäft - und wollen damit auch in das Revier der TV-Sender eindringen. Die Medienbranche hat den Trend allerdings schon erkannt.

Die Auswahl ist groß: von Fernsehausschnitten über Bilder aus dem Strandurlaub bis zu selbst gedrehten Playback-Parodien von Charthits. Allein das US-Portal „Youtube“, das als Vorreiter dieser Internet-Gemeinschaften gilt, zählt am Tag rund 100 Mill. Videoabrufe. Online-Riese Google ist mit einem Angebot präsent. Im entstehenden Markt wollen aber auch hiesige Anbieter mitmischen. Die von Berlin aus entwickelte Plattform „Myvideo“ registriert nach dem Start im April täglich etwa eine Million Abrufe. Die Macher planen, dass die Zahl von derzeit 200 000 Besuchern bis Jahresende auf 500 000 steigt.

Dafür setzen die neuen Videowelten auf den Mitmach-Effekt. Wer will, kann nach Anmeldung mit E-Mail-Adresse kostenlos eigene Bilder auf die Plattform laden. Das Format wird automatisch angepasst. Für den Inhalt ist aber „der Nutzer alleine verantwortlich“, wie es meist in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen heißt. Jugendgefährdende oder rassistische Botschaften sind tabu, Urheberrechte sollen beachtet werden - eine vorherige Sichtung gibt es aber nicht überall. „Diese Art von Community hat eine Art Selbstreinigungsmechanismus“, sagt ein Sprecher von „Myvideo“. Anstößige Clips können mit einem Klick gemeldet werden und sollen dann rasch aus dem Sortiment verschwinden.

Auftrieb erhoffen sich die Anbieter von einer weiteren Verbreitung schneller Internetzugänge, ohne die bewegte Bilder oft kein rechtes Sehvergnügen sind. Bis zum Jahresende dürfte die Breitband-Gemeinde in Deutschland von 10,6 Mill. auf 14 Mill. Haushalte wachsen, erwartet der Branchenverband Bitkom. Mit den aufstrebenden Online- Gemeinschaften erreiche das Internet „eine neue Entwicklungsstufe“. Eine Studie des Computerkonzerns IBM sagt bereits voraus, dass dies vor allem klassische TV-Angebote mit ihrer zentralen Programmplanung unter Druck setzen könnte: „Viele Zuschauer werden es vorziehen, sich ihre Inhalte nach Bedarf selbst zusammen zu stellen.“

Große Fernsehstationen haben denn auch ein wachsames Auge auf die Entwicklung, bei der es nicht zuletzt um ihre Werbeeinnahmen geht. In den USA schloss der Sender NBC eine strategische Partnerschaft mit „Youtube“. Wachsende Internet-Konkurrenz spürt auch die deutsche TV- Branche. Die ARD würde daher gern mehr als einen minimalen Teil der Investitionsmittel für Online-Angebote verwenden dürfen. RTL geht bereits in die Offensive - und hat über seine Multimediasparte gerade das eigene Videoportal „Clipfish“ gestartet. „Das ist nicht das Ende des Fernsehens, sondern kann der Anfang neuer Fernsehinhalte sein“, sagt der Projektverantwortliche Wilken Engelbracht.

Inwiefern sich die Video-Plattformen auch finanziell lohnen, muss sich noch zeigen. Bei „Myvideo“ streben die Betreiber im Lauf des nächsten Jahres die Gewinnschwelle an. Werbebanner bringen bereits Einnahmen. Spezielle Angebote könnten auch einmal kostenpflichtig sein. Dass die Portale Gleichgesinnte zusammenführen, ermögliche generell interessante Geschäftsmodelle, sagt Bitkom-Bereichsleiter Florian Koch: Internet-Gemeinschaften und ihre Nutzer könnten zum Beispiel am Umsatz beteiligt werden, wenn sich Mitglieder bestimmte Produkte untereinander zum Kauf empfehlen.

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