Videospielbranche will weiter wachsen
Zwischen „Hardcoregames“ und Frauenspielen

Die Games Convention ist in diesen Tagen das Mekka der Spielewelt. Die ist im Umbruch und entdeckt Familien und Frauen für sich. Die Frage dabei: Werden die Spielefirmen ihrer Stammklientel nun untreu?

HB LEIPZIG. Bereits um 12 Uhr schieben sich tausende Menschen bepackt mit Taschen voller Werbegeschenke durch die Messehallen. Wer an den Ständen der fast 400 Aussteller selbst Hand an die Spiele legen möchte, muss sich in lange Warteschlangen einreihen. Die Besucher erwartet in diesem Jahr eine Branche, die neue Spieler für sich entdeckt und doch ihren Wurzeln treu bleibt.

Am Stand von Nintendo ist Weiß die Farbe der Saison und der aktuellen tragbaren Konsole "DS". Angefangen bei den bequemen Lounge-Sesseln über die Kleider der Messe-Hostessen bis zu den hohen Säulen, die den gut 200 Quadratmeter großen Stand einrahmen. Die dutzenden DS Konsolen, die Nintendo aufgebaut hat, sind stets belagert und in den Händen von zumeist jungen Besuchern. Auf den kleinen Bildschirmen lösen sie Mathematikaufgaben und Denkrätsel, die zu den Spielen Gehirnjogging und Big Brain Academy gehören. Bei ihnen ist somit nicht der schnelle Ballerreflex, sondern rechnen und nachdenken gefragt. Auch ein Spiel zum Englisch lernen präsentiert der japanische Hersteller. Allen Dreien gemeinsam ist die leichte Zugänglichkeit. Dennoch sind die Zeiten von rasanten Rennspielen, und martialischen Ego-Shootern nicht gezählt, sie bekommen nur neue Gesellschaft in den Verkaufsregalen.

Das Programm von Nintendo ist stellvertretend für den jüngsten Trend einer Branche, die Familien, Frauen und Gelegenheitsspieler für sich entdecken muss, möchte sie weiterhin wachsen. "Die Kernzielgruppe für Video- und Computerspiele ist männlich und zwischen 15 und 25 Jahren alt und hier liegt ein Problem für die Branche: Wenn die Leute nur für rund zehn Jahre spielen, dann liegt für die Hardware- und Softwarehersteller eine Menge Potential brach", sagt Paul Jackson, Analyst beim IT-Marktforschungsunternehmen Forrester Research und Experte für die Unterhaltungsindustrie.

"Wii" ist Erfolg versprechend

Das Konzept von Nintendos neuer Heimkonsole "Wii" hält Jackson für besonders Erfolg versprechend: "Sie soll billiger als die Konkurrenz werden und hat einen Controller, der aussieht wie eine Fernbedienung, die fassen auch Nichtspieler ohne Scheu an." Die Nicht- oder Gelegenheitsspieler sollen sich nach dem Wunsch der Branche ebenfalls für die elektronischen Spiele begeistern, die nach Einschätzung von Jackson allein in den USA zehn bis zwölf Milliarden Dollar Umsatz im Jahr erzielen. "Frauen sind in ihrer Freizeit sehr konsumfreudig, nur bisher haben sie dabei kaum an Computerspiele gedacht", sagt Jackson.

Ob Frauen in Zukunft vermehrt daran denken ist ungewiss. Klar ist, dass die Mehrheit der Entwickler und Verleger von Spielen ihr Sortiment erweitert. Darüber vergessen sie ihre angestammte junge männliche Zielgruppe nicht. Das zeigt sich zum Beispiel im Sortiment von Ubisoft. Erwan le Breton ist Produzent bei Ubisoft und verantwortlich für "Dark Messiah of Might and Magic". Er präsentiert den Titel, den die Spieler aus der Perspektive der Hauptfigur erleben, in einem extra Vorführraum. Das Spiel läuft auf einem riesigen Breitbild Monitor und Kino-tauglicher Musikanlage. Kaum ist der erste Level geladen, zeigt sich eine gestochen scharfe und äußerst plastische Welt auf dem Bildschirm. Man hat das Gefühl die Steine des Verlieses, in dem das Abenteuer startet, direkt anfassen zu können.

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