Videoüberwachung
In jedem Fernsehsessel ein Spion

Videoüberwachung via Internet: Das Projekt „Internet Eyes“ macht Verbrecherjagd zum Spiel und jeden Nutzer zum Denunzianten. Vom Sofa aus kann, wer will, Überwachungsvideos aus Geschäften auswerten.
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HAMBURG. Videoüberwachung ist eigentlich nutzlos, das hatte doch gerade erst eine Studie der Londoner Polizei ergeben. Schließlich schaue sich niemand die Bilder an oder werte sie aus. Jetzt hat ein britischer Unternehmer eine Idee, die diesen Befund radikal ändern könnte – sofern sie sich durchsetzt. Und sie schürt ganz neue Befürchtungen. Die Website Internet Eyes bietet jedem an, Hilfspolizist zu spielen.

Wer 18 Jahre alt ist und einen Internetzugang hat, kann sich die Livebilder von Überwachungskameras aus Läden der britischen Stadt Stratford-upon-Avon auf den Rechner spielen lassen. Für jede verdächtige Beobachtung gibt es Punkte. Wer genug davon gesammelt hat – also ausreichend Mitbürger denunziert – kann pro Monat 1000 Pfund gewinnen. Gemeldet werden die Bösewichte mit einem „Alert Button“ an den zuständigen Standort der Kamera, also beispielsweise an das Geschäft, das seine Bilder einspeiste. Ob der Hinweis verfolgt wird, ist dem Betreiber der Überwachungskamera freigestellt.

Die BBC zitiert den Gründer der Firma, James Woodward, mit den Worten: „CCTV (Closed Circuit Television = Videoüberwachungsanlagen) wird nicht beobachtet, wird nicht überwacht und hinter viel zu wenigen Kameras sitzt jederzeit jemand und wertet sie aus.“ Man wolle daher lediglich helfen, „mehr Augen“ hinter solche Kameras zu bekommen.

Es klingt wie eine prima Idee, die Verarbeitung großer Datenmengen in die Hände vieler freiwilliger Helfer zu legen und sie so erst möglich zu machen. Nicht umsonst werden viele Videobänder nicht ausgewertet. Im Internet gibt es bereits eine Reihe solcher Projekte.

Doch zeigt das Beispiel Videoüberwachung, wo dafür Grenzen gelten sollten: bei ureigenen staatlichen Aufgaben und bei privaten Daten, die eine Identifizierung Einzelner möglich machen. Eine Anonymisierung gibt es bei Internet Eyes nicht, die Beobachter wissen lediglich nicht, welche Orte sie überwachen, die Filme werden ihnen nach einem Zufallsprinzip eingespielt.

Wie heikel die ganze Sache ist, wird schon in den Geschäftsbedingungen deutlich. Dort muss sich der „Viewer“ verpflichten, keines der übersandten Bilder zu speichern, zu kopieren, auszudrucken oder in irgendeiner anderen Form irgendjemandem zugänglich zu machen, „eingeschlossen sämtlicher Mitglieder der Familie“.

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